Eine schmale Felsbrücke mit einer Öffnung kann beim Klettern ein wertvoller natürlicher Sicherungspunkt sein, aber nur, wenn Gestein, Schlinge und Belastungsrichtung zusammenpassen. Ich zeige, wie eine Sanduhr beim Klettern beurteilt, eingerichtet und als Zwischensicherung oder Standplatz genutzt wird und wo die Grenzen dieser Methode liegen.
Die wichtigsten Regeln für Sanduhrschlingen auf einen Blick
- Fels prüfen Eine Sanduhr muss kompakt, rissfrei und an der dünnsten Stelle ausreichend massiv sein.
- Richtig fädeln Die Schlinge soll unter Belastung auf dem stabileren Sockel liegen, nicht am dünnen Hals.
- Kein Ankerstich Dieser kann zur schwächsten Stelle wandern und die Sicherung verschlechtern.
- Abrieb vermeiden Scharfe Kanten können Bandschlingen und Reepschnüre beschädigen.
- Standplätze kritisch beurteilen Für einen Stand muss die Sanduhr Belastungen in der erwarteten Richtung zuverlässig aufnehmen.

Was eine Sanduhr beim Klettern so nützlich macht
Eine Sanduhr ist eine natürliche Felsformation mit einer durchgehenden Öffnung. Durch Wasser, Wind und Frost kann sich im Gestein ein Loch bilden, das an einen schmalen Hals mit breiterem Sockel erinnert. Im Klettersport wird diese Struktur mit einer Bandschlinge oder Reepschnur als natürlicher Fixpunkt genutzt.
Das Einsatzgebiet reicht von der Zwischensicherung im Vorstieg bis zum Standplatz im alpinen Gelände. Der Vorteil liegt auf der Hand: Es muss kein zusätzlicher Haken gesetzt werden, und die Sicherung lässt sich nach der Tour meist vollständig entfernen. Trotzdem ist eine Sanduhr keineswegs automatisch sicher, nur weil sie massiv aussieht.
Beim Bouldern spielt sie dagegen kaum eine Sicherungsrolle. Dort schützt eine Matte vor dem Aufprall, während Sanduhren höchstens als Orientierungspunkt oder Bestandteil des Boulderproblems interessant sind. Die eigentliche Technik gehört zum Felsklettern mit Seil, besonders zum Alpinklettern und zu wenig sanierten Routen.
So beurteile ich die Qualität einer Sanduhr
Bevor ich Material einhänge, untersuche ich die Felsstruktur aus mehreren Blickwinkeln. Entscheidend sind nicht nur die Größe der Öffnung, sondern vor allem der stabile Sockel, an dem die Schlinge später belastet wird. Eine grobe Faustregel aus der alpinen Ausbildung ist, dass die Sanduhr an ihrer schwächsten Stelle mindestens armdick und frei von Rissen sein sollte.
Fels und Belastungsrichtung kontrollieren
- Ist das Gestein fest oder klingt es beim Klopfen hohl?
- Gibt es Risse, Abplatzungen oder brüchige Platten?
- Kann die Schlinge nach oben oder seitlich aus der Öffnung rutschen?
- Wird der Fixpunkt bei einem möglichen Sturz nach unten, oben oder quer belastet?
- Läuft das Seil so, dass es die Schlinge nicht über eine scharfe Kante zieht?
Eine Sanduhr kann an der Vorderseite stabil wirken und auf der Rückseite bereits ausbrechen. Auch weicher, stark verwitterter Kalk verdient Misstrauen. Ich verlasse mich deshalb nie allein auf die optische Größe, sondern beurteile Material, Form und Kraftrichtung gemeinsam.
Nach den Empfehlungen des DAV werden Sanduhren im Unterschied zu Bäumen möglichst so gefädelt, dass die stabilere Basis belastet wird. Ist die Felsstruktur nicht eindeutig solide oder kann der Fixpunkt in eine ungünstige Richtung abheben, sollte eine zusätzliche Sicherung hinzukommen.
Eine Sanduhr richtig fädeln
Die genaue Ausführung hängt von der Form der Felsöffnung ab. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich. Die Verbindung muss so liegen, dass der Zug auf den stärkeren Teil der Formation wirkt und das Material nicht über scharfe Kanten läuft.
Bei einer großen und gut zugänglichen Öffnung
- Sanduhr reinigen Lose Steinchen und Schmutz vorsichtig entfernen, ohne den Fels zu beschädigen.
- Schlinge durchführen Die Bandschlinge durch die Öffnung führen und so legen, dass sie unter Belastung auf dem massiveren Sockel aufliegt.
- Verlauf kontrollieren Beide Stränge müssen sauber und ohne Verdrehung verlaufen.
- Karabiner einhängen Einen geeigneten Verschlusskarabiner oder eine Expressschlinge korrekt einsetzen.
- Belastung simulieren Von Hand prüfen, ob die Schlinge nach oben oder zur Seite abheben kann.
Ein Ankerstich ist hier normalerweise die falsche Wahl. Er kann sich beim Belasten zur dünnsten Stelle des Felsens verschieben. Besser ist eine ringförmige beziehungsweise doppelt gefädelte Anordnung, bei der der Sockel die Hauptlast übernimmt.
Bei einer kleinen oder tiefen Öffnung
Ist das Loch eng, hilft oft eine steife, abriebfeste Reepschnur. Sie wird durch die Öffnung gefädelt und nach der im Kurs erlernten Methode verbunden. Ein sauber gelegter Knoten, korrekt gesetzte Enden und eine ausreichende Restlänge sind dabei unverzichtbar.
Improvisierte Lösungen mit dünner Schnur, alten Materialresten oder mehreren ungünstig verknoteten Einzelteilen lehne ich ab. Die Verbindung muss für den vorgesehenen Zweck geeignet und als Kletterausrüstung gekennzeichnet sein. Besonders bei einem Standplatz sollte man die Technik praktisch unter Anleitung gelernt haben.
Zwischensicherung oder Standplatz
Als Zwischensicherung ist eine solide Sanduhr oft eine elegante Lösung. Sie reduziert die mögliche Sturzhöhe und kann den Seilverlauf in einer alpinen Route verbessern. Trotzdem bleibt die Fangwirkung abhängig von der gesamten Sicherungskette aus Fels, Schlinge, Karabiner, Seil und Sicherungsgerät.
Für einen Standplatz gelten strengere Anforderungen. Der Fixpunkt muss nicht nur einen kurzen Sturz nach unten, sondern auch einen möglichen Zug nach oben oder zur Seite verkraften. Kann die Schlinge aus der Öffnung herausgehoben werden, reicht die Sanduhr als alleiniger Standpunkt nicht aus.
| Einsatz | Stärke | Grenze |
|---|---|---|
| Zwischensicherung | Schnell gelegt und nach der Tour entfernbar | Nur sinnvoll bei solidem Fels und passender Zugrichtung |
| Standplatz | Kann eine natürliche, materialschonende Lösung sein | Oft zusätzliche Redundanz oder ein zweiter Fixpunkt nötig |
| Abseilpunkt | Mit geeigneter, kontrollierter Fädellösung möglich | Materialabrieb und Zustand des Felsens müssen besonders sorgfältig geprüft werden |
Bei einem unsicheren Einzelpunkt bevorzuge ich eine Redundanz mit einem zweiten unabhängigen Fixpunkt. Das kann ein weiterer natürlicher Punkt, ein solider Haken oder eine passende mobile Sicherung sein. Zwei Schlingen am selben brüchigen Felsblock ergeben dagegen keine echte Redundanz.
Material, Abrieb und typische Fehler
Für Sanduhren eignen sich geprüfte Bandschlingen und spezielle Reepschnüre, die zur Form der Felsstruktur passen. Eine längere Schlinge von etwa 60 bis 120 Zentimetern bietet im alpinen Gelände mehr Spielraum, kann aber bei einer kleinen Sanduhr unnötig viel Material und Verhedderungsrisiko bedeuten.
Polyamid-Bandschlingen sind vergleichsweise unempfindlich im praktischen Gebrauch. Sehr steife Reepschnüre lassen sich durch enge Öffnungen leichter fädeln. Unabhängig vom Material gilt, dass scharfe Felskanten mit Abstand zu umgehen sind und die Schlinge nach jeder Belastung auf Schnitte, Scheuerstellen und Verfärbungen kontrolliert werden muss.
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Fehler, die ich besonders häufig sehe
- Nur die Öffnung wird geprüft Der Sockel oder die Rückseite kann trotzdem brüchig sein.
- Die Schlinge wird am dünnen Hals belastet Dadurch wird der schwächste Teil der Sanduhr zum kritischen Punkt.
- Ein Ankerstich wird automatisch verwendet Bei Sanduhren kann er ungünstig wandern.
- Der Karabiner liegt quer Eine Querbelastung reduziert die Belastbarkeit deutlich.
- Abrieb wird unterschätzt Bewegungen durch Seilzug können textile Materialien schnell beschädigen.
- Eine Sanduhr wird mit einem Bohrhaken gleichgesetzt Auch ein guter natürlicher Fixpunkt verlangt eine eigene Beurteilung.
Ein weiterer Klassiker ist eine zu kurze Schlinge. Sie liegt dann nicht sauber auf dem Sockel, sondern wird nach oben gezogen. Ist die Geometrie ungünstig, verlängere ich die Verbindung oder wähle einen anderen Fixpunkt. Ein paar Sekunden mehr für die Kontrolle sind hier besser investiert als eine schnelle, fragwürdige Lösung.
Wann eine andere Sicherung die bessere Wahl ist
Eine Sanduhr ist nicht grundsätzlich besser oder schlechter als ein Haken, Klemmkeil oder Cam. Sie ist dann stark, wenn die Felsform eindeutig solide ist und die Belastung in die richtige Richtung wirkt. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, sollte die Sicherung ergänzt oder ersetzt werden.
| Sicherung | Passt besonders gut, wenn | Vorsicht bei |
|---|---|---|
| Sanduhrschlinge | eine rissfreie, massive Felsformation vorhanden ist | brüchigem Gestein, scharfen Kanten und möglichem Abheben |
| Bohrhaken | der Haken sichtbar solide und korrekt verankert ist | Korrosion, lockeren Laschen und unbekanntem Zustand |
| Friend oder Klemmkeil | ein geeigneter Riss mit passender Geometrie vorhanden ist | falscher Platzierung, schlechtem Fels und ungünstiger Zugrichtung |
Gerade in Mehrseillängenrouten entscheidet nicht ein einzelnes Sicherungsmittel über die Sicherheit, sondern das Zusammenspiel aller Punkte. Ich plane deshalb vor dem Einstieg, welche natürlichen Strukturen realistisch nutzbar sind und welche zusätzlichen Geräte ich dafür mitnehmen muss.
Der wichtigste Schritt passiert vor dem Einhängen
Wer eine Sanduhr als Sicherung nutzen möchte, sollte die Technik zuerst in einem Kurs oder mit einer erfahrenen Lehrperson üben. Besonders das Erkennen von brüchigem Fels, die richtige Belastungsrichtung und der Aufbau eines Standplatzes lassen sich aus einer kurzen Beschreibung nur begrenzt lernen.
Meine praktische Regel lautet deshalb: Bei Zweifel nicht belasten. Eine solide Sanduhr ist eine wertvolle und reversible Möglichkeit, aber kein Grund, einen fragwürdigen Fixpunkt schönzureden. Im Zweifel hilft ein zusätzlicher unabhängiger Punkt, eine andere Sicherungsmethode oder der Verzicht auf die betreffende Passage.