Wer bei einer Kletterroute den Namen Marcel Dettling entdeckt, stößt nicht auf ein einzelnes Gipfelerlebnis, sondern auf das vielseitige Profil eines Schweizer Alpinisten, Sportkletterers und Routenerschiessers. Ich ordne ein, welche Aktivitäten öffentlich dokumentiert sind, was seine Routen auszeichnet und worauf sich Kletterer bei ähnlichen Touren in der Schweiz und im Alpenraum praktisch einstellen müssen.
Marcel Dettling steht für alpines Klettern mit ausgeprägter Boulderpraxis
- Schwerpunkt sind alpine Mehrseillängenrouten, Sportklettern und die Erschliessung neuer Linien.
- Bouldern gehört ebenfalls zu seinem Trainings- und Wettkampfprofil.
- Bekannte Beispiele sind Kairos 6b, Heimspiel 7c und das Bockmattli.
- Sein Routenstil verbindet guten Fels, homogene Schwierigkeiten und solide Absicherung.
- Plaisir bedeutet nicht automatisch einfach: Technik, Vorstieg und alpine Erfahrung bleiben nötig.
Wer hinter dem Kletterprofil steckt
Der Name Marcel Dettling kann zu unterschiedlichen Personen führen. Im Zusammenhang mit Klettern ist jedoch der Schweizer Alpinist und Routenerschliesser gemeint, nicht der gleichnamige Politiker der SVP Schweiz.
Dettling bewegt sich vor allem in den Schweizer Alpen. Sein öffentlich dokumentiertes Profil reicht vom kurzen Boulderproblem über steile Sportkletterrouten bis zur langen alpinen Mehrseillängentour. Gerade diese Mischung macht ihn interessant, denn er betrachtet Klettern nicht nur als Wettkampf oder Gipfeljagd, sondern auch als Suche nach guten Linien im Fels.
Ich finde dabei besonders aufschlussreich, dass er seine Aktivitäten nicht auf möglichst hohe Schwierigkeitsgrade reduziert. Entscheidender sind für ihn offenbar die Qualität des Gesteins, eine logische Linienführung und ein Klettererlebnis, das trotz alpiner Umgebung nachvollziehbar bleibt.
Welche Kletterdisziplinen zu seinem Repertoire gehören
Die verschiedenen Disziplinen tauchen in seinem Kletteralltag nicht isoliert auf. Bouldern verbessert kurze, intensive Bewegungen, Sportklettern schärft Technik und Kraft, während Mehrseillängenrouten zusätzlich Orientierung, Ausdauer und Seilmanagement verlangen.
| Disziplin | Typische Merkmale | Was daran besonders ist |
|---|---|---|
| Bouldern | Kurze Probleme in Absprunghöhe, meist etwa 4 bis 4,5 Meter | Kraft, Koordination, Bewegungsrätsel und schnelle Versuche |
| Sportklettern | Einseillängen mit fest installierten Bohrhaken | Technisch anspruchsvolle Einzelpassagen und Rotpunktversuche |
| Mehrseillängenklettern | Mehrere Seillängen in alpinem Gelände | Ausdauer, Routenfindung, Abstieg und wechselnde Felsqualität |
| Trad- und Semi-Trad-Klettern | Zusätzliche Absicherung mit mobilen Sicherungsmitteln | Placements beurteilen und Cams oder Keile korrekt einsetzen |
Auch Wettkämpfe spielen eine Rolle. Bei einem dokumentierten Boulderwettkampf löste Dettling 37 von 46 Problemen, davon 33 im Flash, und erreichte den 14. Rang. Ein Flash bedeutet, dass ein Boulder im ersten Versuch gelingt. Die Zahlen zeigen weniger eine klassische Profi-Laufbahn als vielmehr einen ambitionierten Kletterer, der sich bewusst auch an schwierigen Problemen misst.
Diese Routen zeigen seinen Stil besonders deutlich

Das Bockmattli ist eng mit Dettlings Kletteraktivitäten verbunden. Die Region im Wägital bietet kurze Zustiege, abwechslungsreichen Kalk und ein breites Spektrum von Genusskletterei bis zu anspruchsvollen Nordwandrouten.
Kairos am Bockmattli
Die Route Kairos am Namenlosen Turm ist mit 6b bewertet, umfasst sechs Seillängen und rund 180 Meter Kletterlänge. Sie wurde gemeinsam mit Guido Arnold erschlossen und führt durch festen Fels mit Leisten, Löchern, Schuppen und Rissen.
Für Wiederholer ist die Ausrüstung überschaubar, aber nicht beliebig. Angegeben werden ein 40-Meter-Seil und zwölf Expressschlingen; je nach persönlicher Einschätzung können zusätzlich Cams oder Keile sinnvoll sein. Der Begriff Plaisirroute weist auf eine gute Bohrhakenabsicherung hin, ersetzt aber weder solides Vorstiegskönnen noch eine Prüfung der aktuellen Verhältnisse.
Das Prachtsexemplar am Bockmattli
Zu den bekannteren Linien gehört auch Das Prachtsexemplar, eine sieben Seillängen lange Route im Schwierigkeitsgrad 7a. Das Outdoor Magazin beschreibt sie als abwechslungsreiche Kombination aus technischer Wandkletterei, Verschneidungen und steileren Überhängen.
Die Route ist ein gutes Beispiel für Dettlings Anspruch an eine Linie. Sie soll nicht nur irgendwie nach oben führen, sondern unterschiedliche Bewegungen verbinden und dabei einen nachvollziehbaren Charakter behalten. Genau solche Routen sind für Kletterer interessant, die alpine Atmosphäre suchen, aber nicht auf eine chaotische oder schlecht abgesicherte Linie aus sind.
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Heimspiel an der Gonzen-Wangwand
Mit Heimspiel ist eine deutlich längere alpine Sportkletterroute dokumentiert. Die Linie umfasst acht Seillängen, etwa 325 Meter und eine Bewertung von 7c, wobei die obligate Schwierigkeit mit 7b angegeben wird.
Der Unterschied zwischen freier Bewertung und obligater Schwierigkeit ist wichtig. 7c beschreibt die Schwierigkeit bei freier Begehung, während 7b obligat bedeutet, dass bestimmte Passagen auch ohne längeres Ausruhen am Seil geklettert werden müssen. Für die Planung zählt deshalb nicht nur die höchste Zahl im Topo, sondern die Frage, welches Niveau zwischen den Haken sicher beherrscht werden muss.
Was seine Routen für Wiederholer bedeuten
Ein wiederkehrendes Merkmal ist die Kombination aus genussvoller Linienführung und klarer Absicherung. Dettling legt nach eigener Darstellung Wert auf möglichst gleichmäßige Schwierigkeiten, guten Fels und Hakenabstände, die zur Umgebung passen.
Das ist ein sinnvoller Ansatz, wird aber leicht missverstanden. Eine gut eingerichtete Route nimmt nicht automatisch alle alpinen Risiken weg. Zustieg, Steinschlag, Nässe, Schnee in Rinnen, unübersichtliche Abstiege und fehlende Ausweichmöglichkeiten bleiben Teil der Tour.
Bei einer Mehrseillängenroute kommt außerdem die Organisation hinzu. Zwei Seile, ausreichend Expressschlingen, verlängerte Schlingen für Querungen, ein Abseilgerät und ein aktuelles Topo können den Unterschied zwischen einem flüssigen Klettertag und einer unnötig komplizierten Unternehmung ausmachen.
- Schwierigkeit und obligates Niveau getrennt betrachten.
- Felsqualität und Absicherung vor Ort kritisch beurteilen.
- Wetterentwicklung und Rückzugsmöglichkeiten prüfen.
- Abstiegsweg und Seillängenlänge vor dem Einstieg klären.
- Bei Trad- oder Semi-Trad-Abschnitten passende mobile Sicherungen beherrschen.
Ich würde mich dabei nie allein auf einen älteren Routeneintrag verlassen. Topos können sich ändern, Haken werden saniert, Zustiege wachsen zu und saisonale Bedingungen verändern die tatsächliche Schwierigkeit erheblich.
Warum Bouldern in diesem Profil mehr als Training ist
Bouldern erscheint bei Dettling nicht bloß als Hallentraining für große Wände. Es ist eine eigenständige Spielart des Kletterns, bei der wenige Züge besonders konzentriert gelöst werden müssen. Ohne Seil und Gurt rücken Körperposition, Fußtechnik und Bewegungsplanung unmittelbar in den Mittelpunkt.
Seine Wettkampfberichte zeigen auch die mentale Seite. Selbst wenn die Platzierung nicht im Vordergrund steht, zwingt ein Wettkampf dazu, an Problemen dranzubleiben, die draußen vielleicht nach wenigen Versuchen abgehakt würden.
Für Einsteiger liegt darin eine brauchbare Lehre. Wer alpine Routen klettern möchte, muss nicht sofort lange Touren planen. Regelmäßiges Bouldern kann helfen, das Körpergefühl zu verbessern und kurze Schlüsselstellen effizienter zu lösen. Die Übertragung ist allerdings nicht vollständig, weil beim alpinen Klettern zusätzlich Ausdauer, Sicherungstechnik und Orientierung gefragt sind.
Was von diesem Kletterprofil für die eigene Tour bleibt
Marcel Dettlings Aktivitäten zeigen ein Klettern, das mehrere Ebenen verbindet. Bouldern liefert Bewegungsideen, Sportklettern trainiert präzises Arbeiten an der Wand und alpine Mehrseillängenrouten bringen Ausdauer, Planung und Verantwortung hinzu.
Wer sich an ähnlichen Touren orientiert, sollte deshalb nicht nur nach dem Schwierigkeitsgrad auswählen. Der bessere Maßstab ist die Kombination aus persönlichem Können, aktueller Absicherung, Wetter, Zustieg und Rückzugsmöglichkeiten. Eine Route mit moderater Bewertung kann im alpinen Gelände deutlich anspruchsvoller sein als eine schwerere Hallenroute.
Genau darin liegt der praktische Wert dieses Profils. Gute Kletterei entsteht nicht allein durch eine hohe Zahl im Topo, sondern durch eine stimmige Linie, verlässliche Vorbereitung und die Fähigkeit, unterwegs die richtige Entscheidung zu treffen.