Eine Route im 3. UIAA-Grad wirkt auf dem Papier leicht, kann am Fels aber bereits volle Konzentration verlangen. Ich ordne ein, welche Bewegungen und Geländeformen dich erwarten, welche Ausrüstung sinnvoll ist und warum die Zahl allein noch nichts über Absicherung, Ausgesetztheit oder die tatsächliche Schwierigkeit einer Tour sagt.
Der dritte Grad ist ein guter Einstieg mit klaren Grenzen
- UIAA III bedeutet mittlere Schwierigkeiten mit ersten steileren oder kraftbetonten Passagen.
- Drei-Punkt-Technik und saubere Fußarbeit sind wichtiger als reine Armkraft.
- Seilsicherung bleibt für Anfänger draußen unverzichtbar.
- Bouldern und Klettern nutzen unterschiedliche Bewertungssysteme und sind nicht direkt vergleichbar.
- Felsqualität, Absicherung und Länge können eine Route deutlich anspruchsvoller machen als der Grad vermuten lässt.

Was der dritte UIAA-Grad wirklich bedeutet
In Deutschland wird der dritte Schwierigkeitsgrad meist mit der UIAA-Skala angegeben und als „III“ geschrieben. Der DAV beschreibt diesen Bereich als mittlere Schwierigkeit. Senkrechte Stellen oder gutgriffige Überhänge können bereits spürbaren Kraftaufwand verlangen.
Typisch sind große bis mittelgroße Griffe, erkennbare Tritte und kurze steilere Abschnitte. Die Route ist also nicht mehr bloß ein leichter Zustieg, bei dem die Hände gelegentlich das Gleichgewicht unterstützen. Trotzdem entscheidet meist nicht ein einzelner spektakulärer Zug, sondern die Kombination aus Balance, Trittsicherheit und Orientierung.
Für geübte Kletterer kann eine kurze Passage dieses Grades in übersichtlichem Gelände ohne Seil machbar sein. Für Anfänger gilt das nicht. Schon ein kleiner Ausrutscher kann am Fels schwere Folgen haben, deshalb empfehle ich im dritten Grad grundsätzlich eine korrekt aufgebaute Seilsicherung.
So fühlt sich eine Route im 3. Grad am Fels an
Eine einfache Route kann zunächst fast wie ein steiler Wanderweg wirken. Dann kommt eine senkrechte Platte, eine kleine Verschneidung oder ein kurzer Überhang, an dem du deine Füße bewusst platzieren und den Körper näher an die Wand bringen musst.
Der Begriff beschreibt dabei vor allem die klettertechnische Schwierigkeit. Er sagt nicht automatisch, wie lang die Tour ist, wie zuverlässig die Haken sitzen oder wie leicht du wieder zurückkommst. Eine zehn Meter lange, gut abgesicherte Route im Klettergarten ist deshalb eine völlig andere Unternehmung als eine alpine Mehrseillängentour mit mehreren hundert Höhenmetern im gleichen Grad.
Der Unterschied zwischen III und III+
Ab dem zweiten Grad können die UIAA-Stufen mit Plus- und Minuszeichen feiner unterteilt werden. Eine Route mit III+ liegt am oberen Ende des dritten Grades und kann bereits deutlich kräftiger, steiler oder technisch anspruchsvoller wirken als eine gemütliche III.
Meine Faustregel für die Auswahl lautet deshalb: Wenn du im Hallentraining gerade erst sichere Bewegungen lernst, starte draußen eher bei I bis II. Wer mehrere leichte Routen kontrolliert klettert und dabei nicht hektisch wird, kann sich an eine gut abgesicherte III herantasten.
Welche Technik dir in diesem Schwierigkeitsbereich hilft
Die wichtigste Grundlage ist die Drei-Punkt-Technik. Zwei Füße und eine Hand oder zwei Hände und ein Fuß bleiben möglichst stabil an der Wand, während du den vierten Kontaktpunkt versetzt. Dadurch bewegst du dich kontrolliert und vermeidest unnötiges Reißen an den Griffen.
Ich achte besonders auf die Füße. Anfänger ziehen sich oft mit gebeugten Armen nach oben und ermüden dadurch schnell. Besser ist es, die Beine arbeiten zu lassen, die Arme möglichst lang zu halten und den Körperschwerpunkt über den Tritten zu platzieren.
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Die wichtigsten Bewegungsmuster
- Antreten: Stelle den Fuß präzise auf den Tritt und belaste nicht die halbe Schuhkante.
- Aufstehen: Drücke dich aus dem Bein nach oben, statt dich nur mit den Armen hochzuziehen.
- Seitlich steigen: Drehe die Hüfte zur Wand, damit du näher am Fels bleibst.
- Ruhig greifen: Suche zuerst den nächsten Griff mit den Augen und greife nicht blind nach oben.
- Abklettern: Übe den Rückweg, denn kontrolliertes Absteigen verbessert Gleichgewicht und Sicherheit.
Bei längeren Passagen hilft eine kurze Pause in einer stabilen Position. Hände ausschütteln, ruhig atmen und den nächsten Abschnitt lesen ist meist effizienter, als sich mit letzter Kraft nach oben zu kämpfen. Gerade im dritten Grad wird gute Bewegungstechnik schnell wichtiger als zusätzliche Muskelkraft.
Welche Ausrüstung und Sicherung sinnvoll sind
Für das Klettern im Klettergarten brauchst du mindestens Klettergurt, Kletterschuhe, Sicherungsgerät, dynamisches Seil und Helm. Magnesia kann bei schwitzenden Händen helfen, ersetzt aber keine saubere Technik. Die konkrete Seillänge und das Material für den Standplatz richten sich nach dem Topo der jeweiligen Route.
Vor dem Start gehören Partnercheck und Knotenkontrolle zur Routine. Ich prüfe dabei Gurtverschlüsse, Einbindeknoten, korrekt eingelegtes Sicherungsgerät und die Kommunikation. Beim Vorstieg kommen das richtige Clippen der Zwischensicherungen und ein aufgeräumtes Seilmanagement hinzu.
Der dritte Grad ist kein Freibrief für ungesichertes Klettern. Lose Steine, nasser Fels, schlechte Tritte, Steinschlag oder ein unübersichtlicher Rückweg können das Risiko stark erhöhen. Bei Unsicherheit ist ein Toprope-Aufbau mit erfahrenem Partner oder eine Einführung durch einen DAV-Kurs die vernünftigere Wahl.
Warum Bouldern nicht einfach dasselbe in kürzer ist
Beim Bouldern werden kurze Probleme ohne Seil in Absprunghöhe geklettert. Üblich ist die Fontainebleau-Skala, während Felskletterrouten in Deutschland meist nach UIAA bewertet werden. Beide Systeme beschreiben Schwierigkeit, messen aber unterschiedliche Anforderungen.
| System | Typische Angabe | Wofür es steht |
|---|---|---|
| UIAA | III | Technische Schwierigkeit einer Kletterroute |
| Französisch | 3 | Alternative Bewertung für Felskletterrouten |
| Fontainebleau | Fb 2 | Schwierigkeit eines kurzen Boulderproblems |
Diese Zuordnung ist nur eine grobe Orientierung. Eine Boulderhalle kann ihre eigenen Farben und Grade verwenden, und ein Boulderproblem fordert oft einen einzelnen kräftigen Zug, während eine Route zusätzlich Ausdauer, Seiltechnik und Höhengewöhnung verlangt. Umgekehrt kann ein leichter Boulder wegen der Fallhöhe unangenehm oder riskant sein.
So wählst du eine passende Route aus
Für den ersten Versuch draußen würde ich eine kurze, gut abgesicherte Route von etwa 10 bis 20 Metern in einem übersichtlichen Klettergarten wählen. Das Gelände sollte trocken sein, der Zustieg einfach und der Abstieg klar beschrieben. Ein Topo liefert wichtige Hinweise zu Routenlänge, Hakenabständen, Standplatz und Rückweg.
Verlass dich nicht nur auf die Zahl. Lies auch die Kommentare zur Felsqualität, Ausgesetztheit und Absicherung. Eine Route im dritten Grad mit wenigen alten Haken kann anspruchsvoller sein als eine technisch etwas schwerere, moderne Sportkletterroute.
Zwischen Halle und Natur liegen außerdem einige Unterschiede. In der Halle sind Griffe sichtbar und die Wand ist meist frei von losem Gestein. Am Fels musst du die Linie selbst lesen, Tritte suchen und die Umgebung beobachten. Genau diese Fähigkeit macht für mich den größten Lernschritt aus.
Was nach den ersten Routen wirklich weiterhilft
Nach zwei oder drei erfolgreichen Routen lohnt es sich, nicht sofort einen höheren Grad anzustreben. Wiederhole lieber leichte Linien, übe das ruhige Clippen, sichere konzentriert und klettere einzelne Abschnitte bewusst ab. So entsteht verlässliche Routine, die später weit mehr wert ist als ein einmaliger Durchstieg.
Wenn sich III-Routen dauerhaft leicht anfühlen, kannst du einzelne Routen im Bereich III+ oder IV ausprobieren. Behalte dabei immer im Blick, dass der Grad nur einen Teil der Schwierigkeit beschreibt. Gute Vorbereitung, passende Bedingungen und ein sicherer Partner machen am Fels den größeren Unterschied als eine einzelne Zahl im Führer.