Wer von der UIAA-Skala auf französische Grade oder amerikanische YDS-Werte umsteigen möchte, stößt schnell auf scheinbar einfache Tabellen und überraschend viele Abweichungen. Ich zeige, wie die wichtigsten Systeme beim Seilklettern und Bouldern ungefähr zusammenpassen, warum eine exakte Umrechnung nicht funktioniert und worauf ich beim Lesen fremder Kletterführer besonders achte.
Die wichtigsten Skalen lassen sich grob vergleichen, aber nicht exakt umrechnen
- UIAA mit römischen Zahlen ist im deutschsprachigen Alpenraum weiterhin sehr verbreitet.
- Die französische Skala mit 4a, 6b oder 8a wird international beim Sportklettern häufig genutzt.
- Amerikanische Routen werden meist mit dem Yosemite Decimal System wie 5.10a bewertet.
- Beim Bouldern dominieren Fontainebleau-Grade und die amerikanische V-Skala.
- Ein Grad beschreibt nur die technische Schwierigkeit, nicht automatisch Absicherung, Ausdauer oder Sturzrisiko.
Welche Kletterskalen in Deutschland und international üblich sind
In Deutschland begegnet mir beim Klettern vor allem die UIAA-Skala. Sie reicht von I für leichtes Kraxeln bis zu hohen zweistelligen Graden und verwendet römische Zahlen mit Zusätzen wie „-“ oder „+“. In vielen modernen Sportklettergebieten wird zusätzlich oder ausschließlich die französische Skala verwendet, etwa 6a, 7b oder 8c.
Der Unterschied ist nicht nur eine andere Schreibweise. Jede Skala entstand in einer eigenen Kletterkultur und bewertet Schwierigkeiten mit leicht unterschiedlichen Maßstäben. Die UIAA weist deshalb darauf hin, dass Vergleiche stets nur als Orientierung dienen können.
| System | Typische Schreibweise | Hauptverwendung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| UIAA | VI, VII+, VIII- | Deutschland, Österreich, Alpenraum | Römische Zahlen, häufig in älteren und alpinen Führern |
| Französisch | 6a, 6b+, 8c | Sportklettern in Europa und weltweit | Feine Unterteilung mit Buchstaben und Pluszeichen |
| YDS | 5.9, 5.10a, 5.12d | USA und Kanada | Dezimalsystem mit Buchstaben ab 5.10 |
| Britisch | HVS 5a, E2 6b | Trad-Klettern in Großbritannien | Adjektivgrad und technischer Grad werden kombiniert |
| Sächsisch | VIIa, VIIIb, IXc | Elbsandsteingebirge | Eigene Tradition und besondere Regeln für Sicherungsmittel |
Für eine Reise reicht es meistens, das lokale System zu erkennen und die eigenen Leistungswerte ungefähr einzuordnen. Ich verlasse mich dabei nie allein auf die Zahl, sondern lese auch die Beschreibung der Route. Eine vermeintliche 6a kann je nach Fels, Neigung und Absicherung sehr unterschiedlich klettern.
UIAA, französische Skala und YDS im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle konzentriert sich auf Freiklettergrade an Seilrouten. Sie ist bewusst als Näherung angelegt. Besonders im unteren Bereich und bei alten Routen können regionale Bewertungen deutlich voneinander abweichen.
| UIAA | Französisch | YDS, ungefähr | Typischer Eindruck |
|---|---|---|---|
| III | 3 bis 4a | 5.3 bis 5.5 | Leichtes Klettern mit vielen Griffen |
| IV | 4a bis 4b | 5.5 bis 5.6 | Grundtechnik und gelegentliches Suchen nach Griffen |
| V | 4c bis 5a | 5.7 bis 5.8 | Technisch moderat, erste anspruchsvollere Bewegungen |
| VI- | 5b | 5.9 | Kleine Griffe und bewusste Fußarbeit |
| VI | 5c | 5.10a | Technisch fordernd, aber oft noch gut kontrollierbar |
| VI+ | 6a | 5.10b | Deutlich anspruchsvollere Einzelzüge |
| VII- | 6a+ | 5.10c | Präzise Technik und etwas Fingerkraft erforderlich |
| VII | 6b | 5.10d | Anspruchsvolle Kletterstelle mit wenig Reserven |
| VII+ | 6b+ | 5.11a | Gute Körperposition und effiziente Bewegung entscheidend |
| VIII- | 6c | 5.11b | Hohe technische und körperliche Anforderungen |
| VIII | 6c+ | 5.11c | Schwierige Einzelzüge, oft mit wenig Erholung |
| VIII+ | 7a | 5.11d | Sehr anspruchsvolle Sportkletterroute |
| IX- | 7a+ | 5.12a | Hohe Fingerkraft, Körperspannung und Ausdauer |
| IX | 7b | 5.12b | Für viele Kletternde bereits leistungsorientiertes Niveau |
| IX+ | 7c | 5.12d | Sehr hohe Anforderungen an Technik und Ausdauer |
| X | 7c+ | 5.13a | Leistungsorientiertes Klettern mit kaum zufälligen Erfolgen |
| X+ | 8a | 5.13b | International anspruchsvolles Sportklettern |
Als grobe Merkhilfe gilt: UIAA VI entspricht etwa Französisch 5c, UIAA VII ungefähr 6b und UIAA VIII etwa 6c bis 7a. Diese Zuordnung hilft beim ersten Einordnen, ersetzt aber keinen Blick auf die konkrete Route.
Der amerikanische Wert 5.10 ist außerdem nicht gleichbedeutend mit „zehnter Grad“. Das YDS beginnt bei 5.0 und unterteilt die schwierigeren Bereiche ab 5.10 mit den Buchstaben a bis d. 5.10a und 5.10d liegen deshalb spürbar auseinander.
Warum ein Grad nicht überall gleich schwer ist
Eine Zahl beschreibt vor allem die schwierigste technische Passage. Sie sagt wenig darüber aus, ob eine Route dauerhaft pumpig ist, ob nach einem schweren Zug eine gute Ruheposition folgt oder ob die Absicherung weit auseinanderliegt. Genau deshalb kann eine kurze, harte Hallenroute denselben Grad tragen wie eine lange Felsroute mit völlig anderem Charakter.
Auch die Gesteinsart verändert das Erleben. Kalk bietet oft kleine Leisten und Löcher, Granit verlangt Reibung und Risskletterei, Sandstein kann technisch leichter aussehen, aber durch die vorgeschriebene Sicherung deutlich mehr Konsequenz verlangen. Ich rechne bei unbekanntem Fels deshalb immer mit einer Spanne von mindestens einem halben Grad, statt mich an einer einzelnen Zahl festzubeißen.
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Die wichtigsten Einflussfaktoren
- Neigung: Überhängende Routen belasten Unterarme und Körperspannung stärker als Platten.
- Griffart: Leisten, Sloper, Zangen und Löcher fordern jeweils andere Techniken.
- Routenlänge: Eine lange Route kann durch Ausdauer schwerer wirken, obwohl die Einzelzüge moderat sind.
- Absicherung: Hakenabstände und Qualität beeinflussen das mentale Risiko, aber nicht immer den technischen Grad.
- Bewertungsstil: Gebiet, Erstbegeher und Alter einer Route können die Einschätzung prägen.
Beim britischen System wird dieses Problem besonders deutlich. Ein Grad wie HVS 5a kombiniert eine Gesamtbewertung der Route mit einer technischen Einzelstellenbewertung. Wer nur den technischen Teil betrachtet, unterschätzt leicht die psychische Belastung oder die Qualität der Sicherungsmöglichkeiten.
Die UIAA beschreibt außerdem, dass Skalen historisch mit der Entwicklung des Kletterns erweitert wurden. Ein heutiger Grad ist daher nicht immer direkt mit einer alten Bewertung aus demselben Gebiet vergleichbar. Für die Planung sind aktuelle Führer und lokale Kommentare oft aussagekräftiger als eine globale Umrechnungstabelle.
Fontainebleau und V-Skala beim Bouldern
Beim Bouldern werden kurze Probleme ohne Seil bewertet. Am häufigsten sehe ich die Fontainebleau-Skala, also Werte wie 5+, 6A, 6B+ oder 7C. In Nordamerika dominiert die V-Skala mit V0, V1, V2 und aufwärts.
| Fontainebleau | V-Skala, ungefähr | Einordnung |
|---|---|---|
| 4 bis 5+ | V0 bis V1 | Einsteigerbereich mit grundlegenden Bewegungen |
| 6A | V2 bis V3 | Technik wird wichtiger, einzelne Züge können fordern |
| 6A+ | V3 bis V4 | Mehr Körperspannung und präzise Tritte nötig |
| 6B | V4 | Anspruchsvolle Bewegungssequenzen |
| 6B+ | V4 bis V5 | Wenig Spielraum für ungenaue Bewegung |
| 6C | V5 | Deutlich leistungsorientiertes Bouldern |
| 6C+ | V6 | Hohe Anforderungen an Fingerkraft und Körperspannung |
| 7A | V7 | Sehr anspruchsvolle Boulderzüge und Sequenzen |
| 7A+ | V8 | Fortgeschrittenes bis leistungsorientiertes Niveau |
| 7B bis 7B+ | V8 bis V9 | Hohe Maximalkraft und ausgefeilte Technik |
| 7C bis 7C+ | V10 bis V11 | Sehr hohes internationales Leistungsniveau |
| 8A | V12 | Extrem anspruchsvolles Bouldern |
Diese Tabelle darf nicht als direkte Umrechnung von Boulder- zu Seilgraden gelesen werden. Ein Boulder konzentriert die Schwierigkeit oft auf vier bis zehn harte Züge, während eine Seilroute zusätzlich Ausdauer, Routenlesen und Erholung verlangt. Ein starkes Boulderproblem macht jemanden deshalb nicht automatisch zum guten Vorsteiger in derselben vermeintlichen Schwierigkeitsklasse.
In deutschen Hallen kommen außerdem Farbkreise zum Einsatz. Dabei steht etwa eine Farbe für einen Schwierigkeitsbereich, doch die Farben sind halleneigene Systeme. Ich vergleiche solche Probleme nur innerhalb derselben Halle und nicht mit einer anderen Wand, selbst wenn beide dieselben Farbnamen verwenden.
So lese ich einen fremden Kletterführer richtig
Beim Wechsel in ein anderes Land gehe ich in vier Schritten vor. Zuerst prüfe ich, ob der Führer französische, UIAA-, YDS- oder lokale Grade verwendet. Danach suche ich nach einer Legende und vergleiche zwei oder drei bekannte Routen, statt eine komplette Tabelle blind zu übertragen.
- Skala identifizieren: Römische Zahlen, Buchstaben oder Dezimalwerte geben meist den ersten Hinweis.
- Routencharakter lesen: Angaben zu Wandneigung, Felsart, Länge und Absicherung ergänzen den Grad.
- Lokale Referenz nutzen: Eine bekannte Route oder ein gut besuchter Sektor hilft, die Bewertung einzuschätzen.
- Reserve einplanen: Für die erste Tour wähle ich nicht die rechnerische Obergrenze meiner Leistung.
Wer normalerweise UIAA VI klettert, kann in einem französischen Gebiet mit 5c beginnen und 6a probieren. Für eine lange Route, schlechte Absicherung oder ungewohnten Fels würde ich aber eher eine Stufe darunter planen. Das ist keine Untertreibung, sondern schafft Raum für Orientierung, Sicherung und unerwartete Schlüsselstellen.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen technischem Grad und Gesamtbewertung. Bei alpinen Touren können zusätzlich Länge, Höhenunterschied, Orientierung, Wetterabhängigkeit und Rückzugsmöglichkeiten entscheidend sein. Ein niedriger Felsgrad macht eine mehrstündige alpine Route nicht automatisch zu einer einfachen Unternehmung.
Welche Vergleichstabelle für die eigene Planung wirklich hilft
Eine gute Tabelle beantwortet nicht nur die Frage „Welcher Grad entspricht meinem Grad?“. Sie sollte auch zeigen, ob es um eine Route oder einen Boulder geht, wie lang die Belastung dauert und ob das Bewertungssystem lokale Besonderheiten besitzt.
| Situation | Worauf ich zuerst schaue | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Sportklettern in Frankreich oder Italien | Französischer Grad, Routenlänge und Absicherung | 6a nur anhand einer UIAA-Tabelle bewerten |
| Klettern in den USA | YDS-Wert, Wandcharakter und lokale Kommentare | 5.10 als einheitliche Schwierigkeit behandeln |
| Bouldern im Ausland | Font- oder V-Grad, Stil und Anzahl der Züge | Bouldergrad direkt in einen Seilgrad übersetzen |
| Alpine Mehrseillänge | UIAA-Grad, Gesamtlänge, Absicherung und Rückzug | Nur die schwierigste Stelle betrachten |
| Deutsche Kletterhalle | Hausinterne Farbskala und Routensetting | Farben mit einer anderen Halle gleichsetzen |
Für mich ist der größte praktische Nutzen des internationalen Gradvergleichs die Tourenvorbereitung. Er hilft, Führer zu lesen, passende Sektoren auszuwählen und die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. Er ist kein Wettbewerb und schon gar kein Sicherheitscheck.
Eine Zahl ist hilfreich, aber nicht die ganze Route
Für einen schnellen Vergleich merke ich mir drei Ankerpunkte: UIAA VI entspricht ungefähr Französisch 5c, UIAA VII etwa 6b und UIAA VIII ungefähr 6c bis 7a. Beim Bouldern liegt Font 6A grob im Bereich V2 bis V3, während Font 7A ungefähr V7 entspricht.
Diese Werte funktionieren als Startpunkt für die Planung. Am Fels entscheide ich trotzdem nach Route, Sicherung, Wetter, eigener Tagesform und Erfahrung im jeweiligen Stil. Wer diese Faktoren mitliest, nutzt Klettergrade sinnvoll und bleibt auch bei einem ungenauen Vergleich auf der sicheren Seite.