Am Standplatz entscheidet oft ein kleiner Unterschied im Aufbau darüber, ob das Abseilen ruhig kontrollierbar bleibt oder unnötig riskant wird. Die Schweizer Methode setzt Abseilgerät und Hintersicherung bewusst getrennt an: Ich erkläre, wie dieses Prinzip funktioniert, welche Handgriffe beim Einrichten zählen, wo typische Fehler liegen und warum die Technik beim Bouldern keine Rolle spielt.
Die wichtigsten Punkte zur Schweizer Abseilmethode auf einen Blick
- Aufbau: Das Abseilgerät hängt in der kurz eingestellten Selbstsicherung, die Hintersicherung im Sicherungsring des Gurtes.
- Sicherheitsvorteil: Gerät und Hintersicherung können sich weniger leicht gegenseitig blockieren.
- Belastungstest: Vor dem Aushängen der Selbstsicherung muss das komplette System unter Last geprüft werden.
- Hintersicherung: Ein sauber gelegter Prusikknoten oder ein geeigneter FB-Kreuzklemmknoten muss zum Seil passen und zuverlässig greifen.
- Grenzen: Nässe, dünne Seile, lange Haare und falsche Karabinerpositionen erhöhen das Risiko deutlich.
Was die Schweizer Methode beim Abseilen besonders macht
Bei der Schweizer Methode zum Abseilen befindet sich das Abseilgerät in einer relativ kurzen Selbstsicherungsschlinge. Die mitlaufende Hintersicherung, meist ein Prusikknoten, wird dagegen im zentralen Sicherungsring des Klettergurts befestigt. Dadurch liegen beide Komponenten mit Abstand zueinander und die Hintersicherung kann sich weniger leicht am Gerät verhaken oder dort anstehen.
Die Methode ist nicht automatisch sicherer als jede andere Variante. Sie funktioniert nur, wenn Standplatz, Seilführung, Abseilgerät, Hintersicherung und Körpergewicht zusammenpassen. Der DAV führt die Schweizer Methode neben der klassischen und der Kombi-Methode als gängige Möglichkeit auf, betont aber ebenfalls, dass jeder Aufbau korrekt beherrscht und geprüft werden muss.
Nicht mit dem Schweizer Sitz verwechseln
Der Name sorgt gelegentlich für Verwirrung. Die Schweizer Methode beim Abseilen beschreibt die Anordnung von Abseilgerät und Hintersicherung am Klettergurt. Sie ist nicht dasselbe wie ein improvisierter Schweizer Sitz aus Seil oder Bandschlinge, der in Notfall- oder Ausbildungssituationen vorkommen kann.
Für normales Klettern verwende ich immer einen passenden, geprüften Klettergurt. Ein selbst geknüpfter Sitz ist unbequem, schwer zuverlässig zu kontrollieren und kein sinnvoller Ersatz für moderne Kletterausrüstung.

So wird die Schweizer Methode am Standplatz eingerichtet
Die folgenden Schritte beschreiben das Prinzip und die entscheidenden Kontrollpunkte. Sie ersetzen keinen praktischen Kurs. Wer noch nie selbstständig abgeseilt hat, sollte die Technik zunächst unter Anleitung einer erfahrenen Kletterperson, eines Bergführers oder einer DAV-Sektion üben.
- Standplatz prüfen. Der Fixpunkt muss für die Belastung geeignet sein. Kontrolliere außerdem, ob das Seil korrekt durch den Abseilring oder die vorgesehene Abseilöse geführt ist.
- Seilenden kontrollieren. Beim Abseilen am Doppelstrang müssen beide Enden bis zum Boden oder zum nächsten Stand reichen. Bei Unsicherheit verhindern Stopperknoten an den Seilenden, dass ein Ende unbemerkt durch das Gerät rutscht.
- Selbstsicherung kurz einstellen. Eine Bandschlinge von etwa 120 Zentimetern wird je nach System ungefähr 10 bis 20 Zentimeter vom Gurt entfernt abgebunden. Der Verschlusskarabiner wird gegen Verdrehen gesichert, beispielsweise mit einem korrekt gelegten Mastwurf.
- Abseilgerät einhängen. Das Gerät kommt in den Karabiner der kurzen Selbstsicherung, nicht in eine Materialschlaufe. Der Karabiner muss vollständig geschlossen und verriegelt sein.
- Hintersicherung anbringen. Der Prusikknoten oder ein geeigneter FB-Kreuzklemmknoten wird um die beiden lastseitigen Seilstränge gelegt und im Sicherungsring des Gurtes befestigt. Er muss sauber liegen und sich unter Zug zuverlässig festsetzen.
- Seil ins Gerät einlegen. Das Bremsseil läuft unterhalb des Abseilgeräts. Die Bremshand bleibt später immer am Bremsseil, niemals am Knoten der Hintersicherung.
- Belastungstest durchführen. Noch an der Selbstsicherung setzt du dich vorsichtig in das Abseilsystem. Prüfe dabei Fixpunkt, Seilführung, Gerät, Verriegelung und Hintersicherung. Erst wenn alles trägt und funktioniert, wird die Selbstsicherung gelöst.
Ein praktischer Trick erleichtert das Einlegen des frei hängenden Seils. Ich bringe zuerst die Hintersicherung an und ziehe anschließend ungefähr 50 Zentimeter Seil nach oben. So bleibt das Seil kontrollierbar und ich sehe sofort, ob der Knoten greift oder angepasst werden muss.
Hintersicherung und Bremsseil entscheiden über die Kontrolle
Die Hintersicherung ist eine Rücklaufsperre. Lässt du sie los oder verlierst du die Kontrolle, soll sie am Seil blockieren und den weiteren Abstieg stoppen. Sie ist aber kein Ersatz für die aktive Bremshand am Bremsseil und keine Entschuldigung für einen fehlerhaften Aufbau.
Welcher Knoten passt
Ein sauber gelegter Prusikknoten aus weicher Reepschnur ist ein bewährtes Grundprinzip. Bei einer kurzen, weichen Bandschlinge kann auch ein FB-Kreuzklemmknoten sinnvoll sein. Bei dünnen Seilen oder beim Abseilen am Einzelstrang muss die Anzahl der Wicklungen besonders sorgfältig gewählt und im Belastungstest überprüft werden.
Steife oder ungeeignete Reepschnüre können schlechter greifen. Auch ein Knoten, der zu locker, verdreht oder mit zu wenig Wicklungen gelegt ist, bietet keine verlässliche Reserve. Ich verlasse mich deshalb nie auf eine pauschale Anzahl, sondern prüfe die Kombination aus Seildurchmesser, Material und Abseilgerät unter den tatsächlichen Bedingungen.
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Typische Fehler bei der Schweizer Variante
- Die Hintersicherung wird während einer Panikreaktion fest umklammert. Dadurch kann sie unter Umständen nicht mehr selbstständig greifen.
- Das Bremsseil wird mit dem falschen Seilstrang verwechselt oder nicht konsequent unterhalb des Geräts geführt.
- Die Selbstsicherung wird gelöst, bevor der Belastungstest abgeschlossen ist.
- Das Abseilgerät wird versehentlich an einer Materialschlaufe befestigt. Diese ist nicht für Körperlast ausgelegt.
- Lange Haare, Kordeln oder lose Kleidung geraten in Gerät oder Hintersicherung.
- Bei nassem oder vereistem Seil wird mit derselben Bremswirkung gerechnet wie bei trockenen Bedingungen.
Besonders kritisch ist der letzte Punkt. Nässe und Vereisung reduzieren die Reibung im Gerät und können auch das Ansprechverhalten der Hintersicherung verändern. In solchen Situationen muss die Technik an die Bedingungen angepasst werden, nicht umgekehrt.
Schweizer, klassische oder Kombi-Methode
Die drei Varianten verfolgen dasselbe Ziel, verteilen die Komponenten aber unterschiedlich. Für mich ist die Schweizer Methode vor allem dann interessant, wenn ich verhindern möchte, dass die Hintersicherung direkt am Abseilgerät ansteht.
| Methode | Position des Abseilgeräts | Position der Hintersicherung | Stärke | Schwachstelle |
|---|---|---|---|---|
| Schweizer Methode | Kurze Selbstsicherung | Sicherungsring des Gurtes | Großer Abstand zwischen Gerät und Hintersicherung | Nach dem Blockieren schwerer zu entlasten, Haare können sich verhaken |
| Klassische Methode | Sicherungsring des Gurtes | Kurze Befestigung an der Beinschlaufe | Kompakt und meist leicht zu lösen | Die Hintersicherung kann am Gerät anstehen |
| Kombi-Methode | Kurze Selbstsicherung | Beinschlaufe | Abstand zum Gerät und leichteres Lösen | Erfordert ebenfalls saubere Haar- und Kleiderkontrolle |
Keine Variante gewinnt in jeder Situation. Bei dicken Seilen kann die klassische Methode angenehm sein, während die Schweizer Methode bei einer klar getrennten Anordnung Vorteile bietet. Entscheidend sind Ausbildung, passende Ausrüstung und ein reproduzierbarer Partnercheck, nicht der Name der Technik.
Warum Bouldern nicht zum Abseilen gehört
Beim Bouldern klettert man normalerweise in geringer Höhe ohne Seil und landet auf einer geeigneten Matte. Spotter helfen dabei, die Bewegung zu kontrollieren, ersetzen aber weder eine Matte noch eine sichere Landetechnik. Die Schweizer Abseilmethode hat im klassischen Bouldern deshalb keinen regulären Anwendungsbereich.
Verwechslungen entstehen meist dort, wo eine Boulderhalle hohe Wände, Sicherungsautomaten oder zusätzliche Kletterbereiche anbietet. Sobald ein Seil, ein Abseilgerät oder ein Standplatz ins Spiel kommt, handelt es sich nicht mehr um reines Bouldern. Dann gelten die Regeln des Seilkletterns, und improvisierte Lösungen sind fehl am Platz.
Der letzte Check vor dem ersten Meter
Vor dem Aushängen meiner Selbstsicherung stelle ich mir immer dieselben Fragen: Ist der Standplatz belastbar? Sind beide Seilenden lang genug? Ist das Gerät richtig eingelegt und verriegelt? Greift die Hintersicherung unter Last, ohne am Gerät anzustehen? Und bleibt meine Bremshand am Bremsseil?
Wer diese Kontrolle konsequent übt, gewinnt mehr als durch das Auswendiglernen eines Methodennamens. Die Schweizer Methode ist eine sinnvolle Abseiltechnik für Kletternde mit solider Seilerfahrung, aber ihre Sicherheit entsteht erst durch korrekten Aufbau, Belastungstest und praktische Übung. Bei Unsicherheit ist ein betreutes Training die schnellste und vernünftigste Entscheidung.