Beim Einbinden am Fels entscheidet oft ein kleines Detail über die Sicherheit: Ist der Knoten wirklich korrekt gelegt, festgezogen und überprüfbar? Der doppelte Bulin, auch doppelter Palstek genannt, ist ein bewährter Anseilknoten, der sich nach Belastungen meist leichter lösen lässt als ein Achterknoten. Ich zeige, wofür er geeignet ist, wie er am Klettergurt geknüpft wird und woran ich einen sauberen Knoten erkenne.
Der doppelte Palstek verbindet Sicherheit mit guter Lösbarkeit
- Einsatz: Anseilknoten für Sportklettern und bestimmte Anwendungen im Bergsport
- Vorteil: Nach Stürzen oder Belastungen meist leichter zu öffnen als ein Achterknoten
- Voraussetzung: Der Knoten muss vollständig, parallel und kräftig gesetzt sein
- Kontrolle: Mindestens 10 cm Seilüberstand und ein gegenseitiger Partnercheck
- Wichtig: Ein einfacher Bulin ist als Anseilknoten nicht gleichwertig und wird nicht empfohlen
Was der doppelte Bulin eigentlich ist
Der doppelte Bulin ist eine feste Schlaufe im Seil, die direkt mit dem Klettergurt verbunden wird. Im deutschen Sprachraum ist er auch als doppelter Palstek oder weiches Auge bekannt. Im Englischen wird meist die Bezeichnung Bowline on the Bight verwendet, wobei die Begriffe international nicht immer einheitlich benutzt werden.
Seinen festen Platz hat der Knoten vor allem beim Sportklettern gefunden. Er zieht sich bei einem Sturz nicht so stark zusammen wie ein Achterknoten und lässt sich deshalb häufig leichter wieder lösen. Genau das ist praktisch, wenn man eine Route mehrmals ausbouldert oder nach einer harten Belastung am Seil weiterarbeiten muss.
Ich sehe den Vorteil allerdings nur dann als echte Stärke, wenn der Knoten sicher beherrscht wird. Sein Knotenbild ist weniger offensichtlich als das eines Achters. Wer beim Partnercheck lange überlegen muss, ob alle Stränge richtig verlaufen, fährt mit dem leichter kontrollierbaren Achter oft besser.

So wird der Knoten am Klettergurt geknüpft
Die folgende Methode beschreibt das gesteckte Einbinden. Das Seil wird dabei direkt durch die dafür vorgesehenen Einbindepunkte des Gurtes geführt. Welche Punkte erlaubt sind, steht in der Anleitung des jeweiligen Gurtes.
- Führe das Seilende von unten nach oben durch beide Einbindepunkte des Gurtes. Ziehe so viel Seil durch, dass das Ende ungefähr bis zur Schienbein- oder Kniehöhe reicht.
- Bilde im Seil, das zum Sichernden führt, eine Schlaufe. Führe eine weitere Schlaufe hindurch und stecke das Seilende durch die entstandene Öffnung.
- Halte die kleine Schlaufe fest und ziehe am langen Seilstrang, bis der Knoten sauber umschlägt. Dieser Schritt fühlt sich anfangs ungewohnt an und sollte langsam geübt werden.
- Führe das freie Seilende jetzt von oben nach unten erneut durch beide Einbindepunkte. Es muss dabei parallel zum bereits vorhandenen Seil liegen.
- Folge mit dem Seilende dem gesamten Knotenverlauf zurück. Jeder Strang wird ein zweites Mal nachgeführt, ohne Kreuzungen oder Verdrehungen.
- Ziehe den Knoten Stück für Stück fest. Zuerst werden die einzelnen Schlaufen gesetzt, danach der Strang zum Sichernden und zuletzt das freie Ende.
Beim ersten Lernen würde ich mich nicht auf eine schriftliche Anleitung allein verlassen. Übe den Knoten an einem Bodenplatz mit erfahrenem Partner oder in einem Kurs und lasse jede Ausführung kontrollieren, bevor du dich damit belastest. Ein Knoten ist erst fertig, wenn er korrekt gelegt und gesetzt ist, nicht wenn er nur ungefähr wie ein Bild aussieht.
Woran ich einen korrekt gelegten Knoten erkenne
Die Kontrolle beginnt mit dem Knotenbild. Die Seilstränge müssen sauber nebeneinander verlaufen. Ein einzelner überkreuzter Strang, eine verdrehte Schlaufe oder ein Seilende, das auf der falschen Seite austritt, ist ein Grund, den Knoten vollständig neu zu legen.
- Das Seil läuft direkt durch die vorgesehenen Einbindepunkte des Gurtes.
- Die doppelte Führung ist überall erkennbar und nicht nur an einer Stelle vorhanden.
- Alle Stränge liegen parallel und sind kräftig festgezogen.
- Das freie Ende steht mindestens 10 cm über.
- Am Einbindepunkt bleibt ein kleines, sauberes Knotenauge sichtbar.
- Der Knoten liegt dicht am Gurt und kann sich nicht auf dem Gurtband verschieben.
Danach folgt der Partnercheck. Beide Personen prüfen den Knoten, die Einbindepunkte, die geschlossene Sicherungsschlaufe und das Sicherungsgerät. Ich halte diesen kurzen Check für wichtiger als die Frage, ob jemand grundsätzlich lieber Achter oder Bulin verwendet, denn die meisten gefährlichen Fehler entstehen durch Ablenkung oder ein unvollständiges Knotenbild.
Achterknoten oder doppelter Bulin
Beide Knoten können als Anseilknoten sinnvoll sein. Auch der DAV nennt den Achterknoten und den doppelten Bulin als geeignete Möglichkeiten. Die Entscheidung sollte sich danach richten, welcher Knoten im Team sicher beherrscht und zuverlässig kontrolliert wird.
| Kriterium | Doppelter Bulin | Achterknoten |
|---|---|---|
| Nach starker Belastung | Meist leichter zu lösen | Kann sehr fest sitzen |
| Kontrolle des Knotenbilds | Etwas anspruchsvoller | Für viele leichter erkennbar |
| Lernaufwand | Höher, weil der Verlauf weniger intuitiv ist | Einfacher zu vermitteln |
| Typische Verwendung | Vor allem Sportklettern und geübte Anwender | Breiter Standard im Klettersport und Bergsport |
| Wichtigster Nachteil | Fehler werden manchmal spät erkannt | Nach Sturzbelastung oft schwerer zu öffnen |
Meine praktische Empfehlung ist klar: Wer den Achter sicher beherrscht, muss nicht allein wegen der leichteren Lösbarkeit wechseln. Wer den doppelten Bulin verwenden möchte, sollte ihn so lange unter Aufsicht üben, bis das korrekte Knotenbild sofort erkennbar ist und der Ablauf ohne Rätselraten funktioniert.
Wo der Knoten nicht die richtige Wahl ist
Der einfache Bulin darf nicht mit der doppelten Variante verwechselt werden. Bei ungünstiger Belastung, insbesondere bei einer Belastung der Schlaufe in verschiedene Richtungen, kann sich ein einfacher Bulin lösen. Auch eine improvisierte Hintersicherung macht aus einem unsicheren Lernstand noch keine verlässliche Technik. Für das Einbinden am Klettergurt wird er von den deutschsprachigen Alpenvereinen deshalb nicht empfohlen.
Der doppelte Palstek ist außerdem kein universeller Ersatz für jeden Seilknoten. Für industrielle Arbeiten, Rettungseinsätze, Lasten über Personen oder komplexe Standplätze gelten eigene Ausbildungsstandards und geprüfte Systeme. Ein Knoten, der beim Sportklettern funktioniert, ist nicht automatisch für jede andere Seilanwendung geeignet.
Auch Material und Zustand des Seils spielen eine Rolle. Ein sehr steifes, verschmutztes oder glattes Seil lässt sich schlechter legen und kontrollieren. Bei Unsicherheit, nach einer fehlerhaften Ausführung oder bei beschädigtem Seil würde ich die Belastung niemals einfach ausprobieren, sondern den Knoten neu legen beziehungsweise eine ausgebildete Person hinzuziehen.
Der wichtigste Sicherheitsgewinn liegt im überprüfbaren Ablauf
Der doppelte Bulin ist eine gute Wahl für geübte Kletterer, die einen nach Belastung gut lösbaren Anseilknoten schätzen. Sein Vorteil entsteht aber nicht durch den Namen, sondern durch sauberes Legen, vollständiges Nachführen, kräftiges Setzen und einen konsequenten Partnercheck.
Für Anfänger bleibt der Achterknoten oft der vernünftigere Einstieg, weil sich sein Verlauf leichter erklären und kontrollieren lässt. Wer den doppelten Bulin lernen möchte, sollte ihn zunächst in Ruhe am Boden üben und erst dann beim Klettern einsetzen, wenn jede Schlaufe und jeder Seilstrang sicher erkannt wird.