Die wichtigsten Punkte zum passenden Bulin
- Feste Schlaufe: Der Palstek zieht sich unter Zug nicht weiter zu und lässt sich meist gut wieder öffnen.
- Klettern: Zum Anseilen kommen der gesteckte Achterknoten oder der korrekt gelernte doppelte Bulin infrage.
- Einfacher Bulin: Am Klettergurt kann er sich bei ungünstiger Ringbelastung lösen und ist deshalb nicht für Anfänger geeignet.
- Seilüberstand: Nach dem fertigen Anseilknoten sollten mindestens 10 cm Seilende herausstehen.
- Partnercheck: Knotenbild, straffe Stränge, Gurt und Sicherungsgerät werden vor jedem Start gemeinsam geprüft.
Was der Bulin eigentlich ist und wie er noch heißt
Der Bulin ist ein Schlaufenknoten. Er erzeugt ein festes Auge, das auch bei wechselnder Belastung seine Größe weitgehend behält. Genau das unterscheidet ihn von einer einfachen Schlinge, die sich unter Zug zusammenziehen kann.In der Seefahrt heißt derselbe Grundknoten meistens Palstek. Seeleute verwenden außerdem die Bezeichnungen Pfahlstich oder Schertauknoten. Im Klettersport hat sich dagegen der Name Bulin eingebürgert, abgeleitet vom englischen Begriff „bowline“.
Die unterschiedlichen Namen sind nicht nur sprachliche Nebensache. Wer in einer Kletterhalle von einem „doppelten Bulin“ spricht, kann je nach Ausbildung eine etwas andere Variante meinen. Ich lasse mir deshalb immer das konkrete Knotenbild zeigen und verlasse mich nicht allein auf die Bezeichnung.
Die typische Aufgabe
Beim Festmachen kann das Auge um einen Poller, einen Ring oder einen Pfahl gelegt werden. Die Schlaufe bleibt fest, lässt sich nach Entlastung aber deutlich leichter öffnen als manche stark zugezogenen Verbindungsknoten.
Beim Klettern wird der Knoten direkt am Gurt verwendet. Dafür gelten strengere Anforderungen, weil ein Anseilknoten nicht nur Zug in einer Richtung aushalten darf, sondern auch bei Bewegung, Sturz und möglicher Fehlbelastung zuverlässig geschlossen bleiben muss.
So knüpfe ich die Grundform für Leinen
Für eine normale Leine ist der einfache Palstek eine sehr praktische Lösung. Ich übe ihn zunächst mit einem dicken Übungsseil, weil sich die beiden parallelen Stränge dann besser erkennen lassen. Erst wenn das Knotenbild ohne Nachdenken sitzt, verwende ich ihn unter realen Bedingungen.
- Ich forme nahe am festen Seilende eine kleine Schlaufe. Diese Schlaufe wird oft als „Kaninchenloch“ bezeichnet.
- Das lose Ende führe ich von unten durch diese Öffnung.
- Danach führe ich es einmal um den festen Seilstrang herum.
- Das Ende kommt durch die ursprüngliche Öffnung zurück.
- Ich ordne alle Stränge sauber, ziehe zuerst die Schlaufe und danach den gesamten Knoten fest.
Entscheidend ist nicht die bekannte Eselsbrücke, sondern ein sauber gelegter und gesetzter Knoten. Die Stränge dürfen sich nicht kreuzen, und das lose Ende muss nach dem Festziehen ausreichend lang bleiben. Bei sicherheitsrelevanten Anwendungen richte ich mich zusätzlich nach der Ausbildung und den Vorgaben des jeweiligen Einsatzbereichs.
Bei nasser oder sehr glatter Leine prüfe ich den Palstek besonders sorgfältig. Die Seenotretter beschreiben den Palstek als feste Schlinge, die auch bei wechselndem Zug zuverlässig bleibt und sich nach der Belastung wieder lösen lässt. Das ist beim Segeln ein großer Vorteil, ersetzt aber nicht die Kontrolle des fertigen Knotens.
Warum beim Klettern andere Regeln gelten
Der einfache Bulin war früher als Anseilknoten verbreitet. Heute wird er am Klettergurt in der Regel nicht mehr empfohlen, weil er sich bei einer Ringbelastung unter bestimmten Bedingungen öffnen kann. Damit ist gemeint, dass die Schlaufe oder das Auge seitlich beziehungsweise in sich selbst belastet wird, statt dass das Seil sauber in Zugrichtung läuft.
Ein solches Risiko kann entstehen, wenn man sich in die Anseilschlaufe einhängt, das Seil ungewöhnlich führt oder der Knoten locker und schlecht gelegt ist. Für eine Rettungs- oder Kletteranwendung ist mir diese Unsicherheit zu groß. Der einfache Bulin gehört für mich deshalb an die Leine, nicht ungeprüft an den Klettergurt.
Doppelter Bulin und Bulin 1.5
Der doppelte Bulin wird so gelegt, dass der lose Seilstrang den Knoten nochmals nachvollzieht. Dadurch entstehen mehrere parallel laufende Sicherungsstränge. Der Bulin 1.5, auch anderthalbfacher Bulin genannt, verfolgt ein ähnliches Ziel, wird aber anders geführt und darf nicht einfach mit jeder anderen Variante gleichgesetzt werden.
Beide Formen können im Sportklettern als Anseilknoten eingesetzt werden, wenn sie in einer anerkannten Ausbildung korrekt vermittelt wurden. Der Deutsche Alpenverein nennt neben dem gesteckten Achterknoten auch den doppelten Bulin als geeigneten Anseilknoten. Für Einsteiger bleibt der Achter aus meiner Sicht trotzdem oft die bessere Lernentscheidung, weil sein Knotenbild leichter auf einen Blick zu kontrollieren ist.| Anwendung | Geeignete Wahl | Worauf ich besonders achte |
|---|---|---|
| Festmacherleine oder Ring | Einfacher Palstek | Saubere Stränge, fester Sitz und ausreichendes Seilende |
| Anseilen beim Sportklettern | Gesteckter Achter oder doppelter Bulin | Herstellerangaben, korrektes Knotenbild und Partnercheck |
| Einfacher Bulin am Klettergurt | Nicht meine Empfehlung | Risiko des Lösens bei Ringbelastung |
| Unbekannte Sondervariante | Nur nach fachlicher Einweisung | Nicht auf Namen oder Internetbilder verlassen |
So kontrolliere ich den Anseilknoten vor dem Klettern
Ein sicherer Knoten beginnt nicht erst am Fels. Ich lege ihn bereits am Boden in Ruhe, ziehe alle Stränge einzeln an und prüfe, ob das Seil wirklich durch die vom Gurthersteller vorgesehenen Einbindepunkte läuft. Je nach Gurtmodell wird direkt durch den Sicherungsring oder durch Hüftbandschlaufe und Beinschlaufensteg eingebunden.
- Der Knoten ist vollständig nachgelegt und alle Stränge liegen parallel.
- Das Knotenauge sitzt direkt am vorgesehenen Anseilpunkt.
- Das lose Ende steht mindestens 10 cm über.
- Der Knoten ist kräftig festgezogen und nicht locker oder verdreht.
- Der Gurt sitzt richtig und alle Schnallen sind geschlossen.
- Das Sicherungsgerät ist korrekt eingelegt und der Verschlusskarabiner geschlossen.
Der DAV verwendet für den Partnercheck ebenfalls die Kontrolle von Anseilknoten, Seilüberstand und Sicherungsgerät. Ich gehe dabei nicht davon aus, dass ein erfahrener Kletterpartner automatisch alles richtig gemacht hat. Ein kurzer, klarer Doppelcheck dauert nur wenige Sekunden und verhindert Fehler, die später nicht mehr korrigiert werden können.
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Was ich beim Üben nicht abkürze
Ich übe eine neue Variante zunächst mindestens fünf bis zehn Wiederholungen mit einem dicken Seil und lasse sie von einer sachkundigen Person kontrollieren. Danach prüfe ich sie noch einmal mit geschlossenen Augen nicht, sondern bewusst langsam und mit Blick auf jede einzelne Seilführung. Blindes Nachmachen ist bei Knoten keine gute Lernmethode.
Besonders kritisch sind Knoten, die ähnlich aussehen, aber unterschiedlich funktionieren. Ein Bild aus dem Internet kann eine andere Variante, eine andere Einbindemethode oder sogar eine falsche Ausführung zeigen. Bei einer sicherheitsrelevanten Anwendung zählt daher die exakt gelernte Form, nicht die ungefähre Ähnlichkeit.
Beim Segeln spielt der Palstek seine größte Stärke aus
Auf dem Boot ist die feste Schlaufe oft genau das, was gebraucht wird. Ich nutze den Palstek beispielsweise, um eine Leine an einem Ring, Poller oder geeigneten Beschlag zu befestigen. Auch bei Schoten und Leinen, die gelegentlich gelöst werden müssen, ist die Kombination aus festem Auge und guter Lösbarkeit sehr praktisch.
Ein weiterer Vorteil zeigt sich bei nassem Tauwerk. Der Knoten bleibt bei wechselndem Zug funktionstüchtig und ist nach der Entlastung meist leichter zu öffnen als ein stark belasteter Überhandknoten. Trotzdem muss er vor dem Einsatz vollständig gesetzt sein. Ein lose gelegter Palstek ist kein sicherer Palstek.
Bei dauerhaftem Rütteln, sehr glattem Material oder einer Leine, die unbeaufsichtigt über längere Zeit belastet wird, kann eine zusätzliche Sicherung sinnvoll sein. Ob dafür ein Stopperknoten oder eine andere Lösung passt, hängt von Leinentyp, Belastungsrichtung und Bordpraxis ab. Ich verändere einen Knoten nicht spontan, sondern verwende die Variante, die in der jeweiligen Ausbildung vorgesehen ist.
Wichtig bleibt die Trennung der Einsatzbereiche. Ein Palstek, der an Bord zuverlässig funktioniert, ist nicht automatisch als Anseilknoten am Klettergurt geeignet. Seilart, Belastung und mögliche Fehlbelastung entscheiden darüber, ob ein Knoten sicher eingesetzt werden kann.
Die richtige Entscheidung für den nächsten Einsatz
Meine einfache Faustregel lautet: Für eine feste Schlaufe an einer Leine lerne ich den klassischen Palstek. Für das Klettern verwende ich den gesteckten Achter oder einen doppelten Bulin nur dann, wenn ich genau diese Variante sicher beherrsche und sie zur Ausbildung sowie zum Gurt passt.
Der beste Knoten ist nicht der, der in einer Zeichnung am elegantesten aussieht. Er ist derjenige, den ich korrekt legen, eindeutig prüfen und unter Belastung richtig einschätzen kann. Wer regelmäßig übt und vor jedem Start einen Partnercheck macht, gewinnt bei der Seiltechnik deutlich mehr Sicherheit als durch das Sammeln immer neuer Knotennamen.