Am Pfahl, Balken oder Ring soll eine Leine sicher halten, ohne dass sich die Verbindung unnötig schwer lösen lässt. Ein doppelter Mastwurf arbeitet dabei mit einer doppelt genommenen Leine, also mit zwei parallel geführten Strängen. Ich zeige, wie die Variante gebunden wird, wofür sie taugt, wo ihre Grenzen liegen und welche Fehler in der Praxis besonders häufig vorkommen.
Die doppelte Ausführung erhöht die Führung, nicht automatisch die Sicherheit
- Zwei Stränge: Die Leine wird parallel genommen und wie ein Mastwurf um den Gegenstand geführt.
- Geeignet für: Pfähle, Stangen, Balken und das zeitweise Anschlagen von Geräten.
- Wichtig: Die Windungen müssen sauber liegen und dürfen sich nicht kreuzen.
- Sicherung: Bei Feuerwehr- und Rettungsanwendungen ist meist ein Spierenstich vorgeschrieben.
- Keine Lebensversicherung: Der Knoten ersetzt weder eine geprüfte Anschlageinrichtung noch eine Ausbildung.
Was bei dieser Knotenvariante tatsächlich doppelt ist
Beim doppelten Mastwurf wird nicht einfach derselbe Knoten zweimal nebeneinander gebunden. Stattdessen nimmt man die Leine als Bucht mit zwei parallel laufenden Strängen und formt daraus die beiden Törns des Mastwurfs. Ein Törn ist dabei eine vollständige Führung der Leine um den Gegenstand.
Der Grundgedanke bleibt derselbe wie beim einfachen Mastwurf. Die Leine wird an einem Objekt befestigt, lässt sich zunächst verschieben und sitzt unter einer gleichmäßigen, rechtwinklig wirkenden Belastung zuverlässig. Die doppelte Führung kann die Auflage verbessern und ist bei bestimmten Arbeitsabläufen praktischer, sie verdoppelt aber nicht automatisch die Bruchlast des Seils.
In deutschen Feuerwehrunterlagen wird diese Ausführung unter anderem beim Auszugsseil einer Schiebleiter erwähnt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Bezeichnung je nach Bereich etwas unterschiedlich verwendet wird. Sie ist außerdem nicht mit dem doppelten Halbmastwurf zu verwechseln, der als Bremsknoten dient.
So wird der Knoten sauber gelegt oder gestochen
Die gelegte Variante
Die gelegte Form eignet sich, wenn das Ende eines Pfahls oder einer Stange frei zugänglich ist. Ich achte beim Üben zuerst darauf, dass beide Stränge wirklich parallel liegen. Schon eine verdrehte Leine macht den Knoten unübersichtlich und erschwert die spätere Kontrolle.
- Lege die Leine doppelt und halte die beiden Stränge gleichmäßig nebeneinander.
- Forme mit der Bucht den ersten Törn um den Pfahl oder Balken.
- Lege einen zweiten Törn in derselben Richtung und führe ihn sauber neben dem ersten.
- Schiebe die beiden Augen über das Ende des Gegenstands.
- Richte die Windungen aus und ziehe anschließend an den beiden belasteten Strängen gleichmäßig fest.
Von oben betrachtet sollten die Windungen geordnet und nicht überkreuzt auf dem Gegenstand liegen. Die Leine darf dabei nicht auf einer scharfen Kante scheuern. Bei glatten Metallstangen oder sehr kleinen Durchmessern würde ich diese Variante nur nach einer praktischen Prüfung und mit zusätzlicher Sicherung verwenden.
Die gesteckte Variante
Ist das Ende des Gegenstands nicht frei, wird der Knoten direkt um den Pfahl oder Balken gestochen. Die doppelte Leine läuft dabei wie eine einzige Leine, allerdings bleiben ihre beiden Stränge während des gesamten Vorgangs nebeneinander.
- Führe die doppelt genommene Leine einmal um den Gegenstand.
- Kreuze die laufende Part über die stehende Part. Die laufende Part ist das Ende, mit dem du gerade arbeitest.
- Führe die Leine ein zweites Mal in derselben Richtung um den Gegenstand.
- Stecke die Bucht unter dem stehenden Teil des zweiten Törns hindurch.
- Ziehe beide Stränge gleichmäßig an und ordne die Windungen mit den Fingern.
Der Knoten ist erst fertig, wenn die beiden Stränge gleichmäßig belastet werden. Ein einzelner lockerer Strang kann dazu führen, dass die Windungen kippen oder sich die Leine unter wechselnder Belastung verschiebt.
Wo ich ihn einsetzen würde und wo nicht
Seine Stärke liegt im zeitweisen Befestigen einer Leine an einem festen Gegenstand. Typische Beispiele sind Stangen, Pfähle, Balken und geeignete Ringe. Auch beim Aufbau einfacher Pfadfinderkonstruktionen oder beim Positionieren von Material kann die doppelte Führung sinnvoll sein, sofern keine Absturz- oder Lebensgefahr besteht.
| Anwendung | Einschätzung |
|---|---|
| Leine an Pfahl oder Balken befestigen | Geeignet bei gleichmäßiger Belastung und passendem Durchmesser |
| Geräte beim Hochziehen sichern | Nur nach dem Verfahren der jeweiligen Organisation und mit geprüfter Leine |
| Absturzsicherung oder Rettung | Nicht eigenständig improvisieren, sondern nur mit Ausbildung und freigegebenem System |
| Zwei Seile miteinander verbinden | Nicht die richtige Aufgabe, dafür braucht es einen Verbindungsknoten |
| Bremsen beim Abseilen | Dafür ist der Halbmastwurf zuständig, nicht diese Befestigungsvariante |
Besonders wichtig ist die Grenze bei Personenlasten. Ein Mastwurf kann sich bei wechselnder Zugrichtung, ruckartigen Bewegungen oder glatten Oberflächen lockern. Für Feuerwehr, Höhenarbeit und Rettung zählen deshalb die FwDV 1, die örtliche Ausbildung, die Herstellerangaben und das konkret freigegebene Sicherungssystem.
Die häufigsten Fehler beim Binden
Die Stränge werden verdreht
Das passiert schnell, wenn die Leine aus einer Tasche kommt oder während des Bindens um den Körper geführt wird. Ich lege die beiden Stränge vor dem ersten Törn flach nebeneinander und korrigiere jede Verdrehung sofort. Ein sauberer Knoten lässt sich wesentlich schneller prüfen.
Die Törns zeigen in verschiedene Richtungen
Beide Windungen müssen in dieselbe Richtung laufen. Wird der zweite Törn spiegelverkehrt gelegt, entsteht nicht die gewünschte Form. Der Knoten kann dann zwar zunächst fest aussehen, reagiert aber schlecht auf Zugwechsel.
Der Knoten liegt auf einer Kante
Eine scharfe Kante beschädigt den Mantel der Leine und kann die Belastung ungünstig konzentrieren. Runde, ausreichend große Anschlagpunkte sind die bessere Wahl. Bei rauem Holz kontrolliere ich zusätzlich, ob Harz, Splitter oder Metallteile die Leine verletzen könnten.
Die Sicherung wird weggelassen
Für eine harmlose Übung mag der Knoten ohne Zusatz ausreichen. Sobald Material hochgezogen wird oder die Verbindung im Feuerwehrdienst eingesetzt wird, gehört die zusätzliche Sicherung mit einem Spierenstich nach dem vorgegebenen Verfahren dazu. Der Sicherungsknoten verbessert nicht die Seilfestigkeit, verhindert aber ein unbeabsichtigtes Aufgehen des Mastwurfs.
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Die doppelte Leine wird mit höherer Tragfähigkeit verwechselt
Zwei Stränge bedeuten nicht automatisch, dass das gesamte System doppelt so viel tragen darf. Entscheidend bleiben Seiltyp, Zustand, Knoten, Anschlagpunkt, Belastungsrichtung und Sicherheitsfaktor. Diese Punkte prüfe ich immer gemeinsam, statt mich allein auf die Anzahl der Stränge zu verlassen.
So übst du die Bewegung ohne unnötiges Risiko
Zum Lernen reichen ein etwa 1 bis 1,5 Meter langes Stück Seil und ein runder Besenstiel oder Pfahl. Binde die Variante zuerst langsam, ohne Zug, und kontrolliere nach jedem Schritt die parallele Führung. Danach belastest du den Knoten nur moderat und beobachtest, ob er sauber anliegt oder kippt.
- Übe zuerst die gelegte Form, danach die gesteckte Form.
- Sprich die Bewegungen laut mit, bis die beiden Törns sicher sitzen.
- Kontrolliere vor jeder Belastung die Richtung der Windungen.
- Teste den Knoten niemals mit deinem Körpergewicht.
- Für Einsatz- und Rettungstechniken übst du ausschließlich unter Anleitung einer qualifizierten Person.
Ein guter Test ist nicht, wie schnell der Knoten entsteht, sondern ob du ihn blind kontrollieren und eindeutig beurteilen kannst. Wenn die Stränge nicht klar erkennbar sind, löse ich ihn lieber noch einmal und binde ihn neu.
Die wichtigste Entscheidung fällt vor dem ersten Törn
Die doppelte Ausführung ist ein nützlicher Befestigungsknoten für passende Situationen. Sie funktioniert am zuverlässigsten bei einem geeigneten, nicht zu glatten Anschlagpunkt, gleichmäßiger Zugrichtung und sauber parallel liegenden Strängen.
Für Alltag, Lagerbau oder einfache Materialarbeiten ist sie schnell gelernt. Sobald Menschen gesichert, Lasten über Personen bewegt oder Folgen eines Fehlers schwerwiegend werden, zählt nicht nur die Knotenform, sondern das gesamte geprüfte System aus Seil, Anschlagpunkt, Sicherung und Ausbildung. Genau diese Grenze sollte man kennen, bevor man dem Knoten mehr zutraut, als er leisten kann.