Jemand wird beim Wandern plötzlich blass, schwankt und sackt vielleicht sogar weg. Dann entscheidet nicht die vermutete Ursache, sondern eine schnelle Prüfung von Bewusstsein und Atmung, welche Hilfe richtig ist. Ich zeige, wann Hinlegen und Beinehochlagern genügt, wann die stabile Seitenlage nötig wird und ab welchem Punkt sofort die 112 gewählt werden muss.
Bewusstsein und normale Atmung entscheiden über den nächsten Schritt
- Sofort hinlegen: Bei Schwindel oder Schwäche die Person nicht weiterlaufen und nicht abrupt aufstehen lassen.
- 112 rufen: Bei Bewusstlosigkeit, fehlender normaler Atmung, Brustschmerz, Atemnot oder Schockzeichen.
- Stabile Seitenlage: Bewusstlose Menschen mit normaler Atmung auf die Seite drehen und die Atmung fortlaufend kontrollieren.
- Herzdruckmassage: Bei fehlender normaler Atmung unverzüglich mit der Wiederbelebung beginnen.
- Nichts einflößen: Bewusstlosen oder verwirrten Personen niemals Getränke, Essen oder Medikamente geben.
Was bei Kreislaufproblemen zuerst zu tun ist
Bringen Sie sich und die betroffene Person zunächst aus der Gefahrenzone. Im Gelände können das eine Straße, eine ausgesetzte Stelle, fließender Verkehr oder herabfallende Äste sein. Erst danach sprechen Sie die Person laut an und prüfen, ob sie reagiert.
Ist sie ansprechbar, soll sie sich sofort hinlegen, möglichst flach und auf den Rücken. Lockern Sie beengende Kleidung, sorgen Sie für Schatten oder frische Luft und beruhigen Sie sie. Bei einer einfachen Schwäche ohne Brustschmerz, Atemnot oder Verletzung können die Beine etwas erhöht werden, damit Blut leichter zum Oberkörper zurückfließt.
Lassen Sie niemanden nach einem kurzen Schwindelanfall direkt weitergehen. Der Kreislauf kann erneut versagen, besonders bei Hitze, Flüssigkeitsmangel, Erschöpfung oder langem Stehen. Ich halte es für einen der häufigsten Fehler, eine Person zu früh aufzurichten, nur weil sie wieder sprechen kann.
Fragen Sie kurz nach Beschwerden und Umständen. Schmerzen in der Brust, Atemnot, Herzrasen, starke Kopfschmerzen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, eine Schwangerschaft, Diabetes oder ein Sturz verändern die Lage deutlich und sprechen für eine ärztliche Abklärung, bei akuten Beschwerden über die 112.
Wann der Notruf 112 unverzichtbar ist
Wählen Sie in Deutschland die 112, wenn Lebensgefahr möglich ist oder die Ursache nicht sicher eingeschätzt werden kann. Bleiben Sie am Telefon und beantworten Sie die Fragen der Leitstelle. Die Leitstelle kann auch während der Ersten Hilfe Anweisungen geben.
- Die Person ist bewusstlos oder reagiert nicht normal.
- Sie atmet nicht normal, gar nicht oder nur unregelmäßig schnappend.
- Es treten Brustschmerzen, schwere Atemnot oder ein auffälliger Herzrhythmus auf.
- Es gibt Anzeichen für Schlaganfall wie einen hängenden Mundwinkel, einen kraftlosen Arm oder eine verwaschene Sprache.
- Die Haut ist blass, kalt und schweißig, die Person wirkt unruhig oder zunehmend teilnahmslos.
- Ein starker Blutverlust, eine schwere Verletzung, Vergiftung oder allergische Reaktion ist möglich.
- Nach Hitze, Kälte, Wasserunfall oder großer körperlicher Anstrengung kommt es zu Verwirrtheit oder Kollaps.
Bei weniger dringenden, aber wiederkehrenden Beschwerden wie ungeklärten Ohnmachten oder häufigem Herzrasen ist in Deutschland die 116117 eine passende Anlaufstelle. Bei einem aktuellen Kollaps oder neuen starken Symptomen ersetzt sie jedoch nicht den Notruf.

Bewusstlos, aber normale Atmung bedeutet stabile Seitenlage
Reagiert die Person nicht auf lautes Ansprechen und vorsichtiges Rütteln an der Schulter, prüfen Sie die Atmung. Öffnen Sie die Atemwege, indem Sie den Kopf vorsichtig nach hinten neigen, und beobachten Sie ungefähr zehn Sekunden lang Brustkorbbewegungen und Atemgeräusche.
Atmet die Person normal, rufen Sie 112 und bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. So bleiben die Atemwege eher frei, während Blut oder Erbrochenes aus dem Mund abfließen kann.
- Knien Sie seitlich neben der Person und strecken Sie ihre Beine.
- Legen Sie den nahen Arm angewinkelt nach oben, die Handfläche zeigt nach oben.
- Führen Sie den fernen Arm vor die Brust und legen Sie den Handrücken an die nahe Wange.
- Greifen Sie das ferne Bein oberhalb des Knies und beugen Sie es.
- Ziehen Sie das Knie zu sich, bis die Person auf der Seite liegt.
- Richten Sie den Kopf vorsichtig nach hinten und öffnen Sie den Mund. Der Mund sollte möglichst der tiefste Punkt sein.
Kontrollieren Sie danach fortlaufend die normale Atmung, decken Sie die Person gegen Auskühlung zu und bleiben Sie bei ihr. Bei einem Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung bewegen Sie sie so wenig wie möglich. Wenn die Atemwege gefährdet sind, hat deren Freihaltung trotzdem Vorrang.
Keine normale Atmung bedeutet sofortige Wiederbelebung
Wenn keine normale Atmung vorhanden ist oder Sie daran zweifeln, behandeln Sie die Situation wie einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Einzelne tiefe, unregelmäßige Atemzüge sind keine normale Atmung und dürfen die Wiederbelebung nicht verzögern.
Lassen Sie 112 wählen und bitten Sie jemanden, einen AED zu holen. Beginnen Sie auf einem harten Untergrund mit der Herzdruckmassage. Drücken Sie in der Mitte des Brustkorbs mit einer Frequenz von etwa 100 bis 120 Kompressionen pro Minute und ungefähr 5 bis 6 Zentimetern Tiefe. Wenn Sie Beatmung beherrschen und sich dazu bereit fühlen, kombinieren Sie 30 Druckmassagen mit 2 Atemspenden. Andernfalls ist eine durchgehende Herzdruckmassage besser als Untätigkeit.
Ein AED, also ein automatisierter externer Defibrillator, gibt Sprachanweisungen und entscheidet selbst, ob ein Schock empfohlen wird. Kleben Sie die Elektroden auf den nackten Brustkorb und berühren Sie die Person während der Analyse oder Schockabgabe nicht. Setzen Sie die Maßnahmen fort, bis der Rettungsdienst übernimmt, die Person normal atmet oder Sie erschöpft sind.
Schock erkennen und richtig lagern
Ein Schock ist mehr als ein gewöhnlicher Schwindelanfall. Der Körper wird nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Typische Hinweise sind kalte, blasse, schweißnasse Haut, Zittern, starke Unruhe, Durst, schnelle flache Atmung und später Teilnahmslosigkeit.
Rufen Sie bei diesen Zeichen 112 und legen Sie eine ansprechbare Person flach hin. Die Beine können erhöht werden, wenn keine Verletzung, Atemnot oder Brustschmerzen dagegen sprechen. Bei Atemproblemen oder Schmerzen soll die Person selbst die für sie angenehmste Position einnehmen, meist mit erhöhtem Oberkörper.
Stoppen Sie sichtbare starke Blutungen mit direktem Druck auf die Wunde und halten Sie die Person warm. Entfernen Sie sie nicht unnötig aus ihrer Lage und geben Sie keinen Alkohol, keine Medikamente und keine Getränke, wenn sie benommen ist oder eine Operation möglich sein könnte.
Bei einer allergischen Reaktion mit Atemnot, Schwellungen oder Kreislaufabfall zählt jede Minute. Hat die Person ein eigenes Notfallmedikament, können Sie bei der Anwendung helfen, sofern sie dazu nicht selbst in der Lage ist. Der Notruf bleibt trotzdem zwingend erforderlich.
Besondere Situationen im Gelände
Hitze und Flüssigkeitsmangel
Bei Schwäche nach Sport oder langem Aufenthalt in der Sonne bringen Sie die Person in den Schatten und kühlen Sie sie mit nassen Tüchern, Luftzug und gelockerter Kleidung. Ist sie vollständig wach, kann sie kleine Schlucke Wasser oder ein geeignetes Elektrolytgetränk trinken. Bei Verwirrtheit, Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit oder fehlender normaler Atmung gilt sofort 112 statt Getränke zu reichen.
Unterkühlung
Bei Kälte ziehen Sie nasse Kleidung vorsichtig aus, isolieren Sie den Körper vom Boden und decken Sie die Person zu. Bewegen Sie sie möglichst ruhig und vermeiden Sie heiße Bäder, kräftiges Reiben oder Alkohol. Eine zunehmende Müdigkeit, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit ist ein Notfall.
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Sturz und Verletzung
Nach einem Sturz kann der Kreislaufabfall durch innere Verletzungen, Blutverlust oder eine Kopfverletzung ausgelöst werden. Lassen Sie die Person liegen, halten Sie sie ruhig und achten Sie auf Bewusstsein, Atmung und sichtbare Blutungen. Eine bewusstlose Person mit normaler Atmung muss zum Schutz der Atemwege trotzdem vorsichtig in die Seitenlage gebracht werden.
Die häufigsten Fehler bei Kreislaufnotfällen
Ein Glas Wasser, ein nasses Tuch oder ein aufmunterndes „Das wird schon“ kann bei einer harmlosen Schwäche genügen, aber gefährliche Ursachen nicht ausschließen. Besonders riskant ist es, die Person allein zu lassen, sie zum Aufstehen zu bewegen oder einen vermeintlich niedrigen Blutdruck selbst zu behandeln.
| Fehler | Bessere Entscheidung |
|---|---|
| Die Person schnell aufsetzen oder hinstellen | Liegen lassen und langsam beobachten, ob Bewusstsein und Beschwerden stabil bleiben |
| Bewusstlosen Wasser oder Zucker geben | Nichts in den Mund geben, Atmung prüfen und Seitenlage oder Wiederbelebung einleiten |
| Nur den Puls fühlen und lange überlegen | Reaktion und normale Atmung prüfen, bei Unsicherheit 112 rufen |
| Hitze ausschließlich mit Trinken behandeln | Schatten, aktive Kühlung und bei Verwirrtheit sofort Rettungsdienst |
| Nach kurzer Besserung weiterwandern | Ursache klären lassen und die Person nicht allein zurücklassen |
Für Outdoor-Touren nehme ich mindestens ein geladenes Mobiltelefon, eine Rettungsdecke, Wasser und ein kleines Erste-Hilfe-Set mit. Noch wichtiger als zusätzliches Material ist ein aufgefrischter Erste-Hilfe-Kurs, denn im Ernstfall zählt ruhiges Handeln nach einem einfachen Schema.
Was nach dem Kreislaufereignis wirklich zählt
Die wichtigste Reihenfolge lautet: Gefahrenbereich sichern, Bewusstsein prüfen, normale Atmung kontrollieren, 112 rufen und die passende Lagerung wählen. Bei ansprechbaren Personen hilft meist Ruhe und eine liegende Position, bei Bewusstlosen entscheidet die Atmung zwischen stabiler Seitenlage und Wiederbelebung.
Auch wenn sich jemand schnell wieder erholt, sollte ein ungeklärter Kollaps medizinisch abgeklärt werden. Für mich ist die beste Vorbereitung deshalb nicht die Suche nach einem einzelnen Hausmittel, sondern das sichere Beherrschen von Notruf, Atemkontrolle und Herzdruckmassage.