Plötzlich pfeift die Atmung, die Brust fühlt sich eng an und jeder Atemzug wird anstrengend. Bei einem Asthmaanfall kommt es jetzt auf
Die wichtigsten Schritte bei akuter Atemnot
- Aufrecht hinsetzen, zum Beispiel in den Kutschersitz, und nicht flach hinlegen.
- Lippenbremse anwenden und bewusst ruhig ausatmen.
- Das eigene Notfallspray nach persönlichem Notfallplan verwenden.
- Bei schwerer Atemnot, blauen Lippen, Verwirrtheit oder fehlender Besserung sofort 112 rufen.
- Im Freien die Belastung beenden und die Person vor Rauch, Kälte, Staub oder Pollen schützen.

Was bei einem Asthmaanfall passiert
Bei Asthma verengen sich die Bronchien, die Schleimhäute schwellen an und die Atemwege bilden häufig mehr Schleim. Besonders das Ausatmen fällt schwer. Typische Anzeichen sind pfeifende oder brummende Atemgeräusche, trockener Husten, Kurzatmigkeit und ein Druck- oder Engegefühl in der Brust.
Ein Anfall kann sich innerhalb weniger Minuten entwickeln, manchmal aber auch langsam über Stunden. Angst und hektisches Atmen verstärken die Beschwerden zusätzlich. Aus meiner Sicht ist genau das der Punkt, an dem Helfende den größten Unterschied machen können: ruhig sprechen, klare Anweisungen geben und keine unnötige Unruhe erzeugen.
Die Ursache muss nicht immer sofort klar sein. Sportliche Belastung, kalte Luft, Pollen, Tierhaare, Staub, Rauch, Infekte oder starke Duftstoffe können einen Anfall auslösen. Im Outdoor-Bereich kommen vor allem kalte trockene Luft, körperliche Überlastung und Lagerfeuerrauch als zusätzliche Belastungen infrage.
Die ersten Minuten entscheiden
Belastung sofort beenden
Stoppen Sie jede körperliche Anstrengung. Die betroffene Person sollte nicht weiterlaufen, klettern oder zum Auto gehen müssen. Suchen Sie einen sicheren Platz mit möglichst reizstoffarmer Luft, ohne die Person dabei unnötig über längere Strecken zu bewegen.
Eine atemerleichternde Haltung einnehmen
Am einfachsten ist meist der Kutschersitz. Die Person setzt sich, beugt den Oberkörper leicht nach vorn und stützt die Unterarme auf den Oberschenkeln oder einer festen Unterlage ab. Auch eine stehende Torwarthaltung mit abgestützten Händen kann helfen. Flaches Liegen verschlechtert die Atmung häufig und sollte vermieden werden.
Mit der Lippenbremse ausatmen
Bei der Lippenbremse wird ruhig durch die Nase eingeatmet und langsam durch fast geschlossene Lippen ausgeatmet, als würde man eine Kerze vorsichtig flackern lassen. Das Ausatmen dauert länger als das Einatmen. Erzwingen Sie jedoch keine besonders tiefen Atemzüge, denn zu große Luftmengen können die Atemnot unangenehm verstärken.
Das Notfallmedikament unterstützen
Fragen Sie, wo sich das eigene Notfallspray oder der eigene Inhalator befindet. Helfen Sie beim Herausholen und bei der korrekten Anwendung, wenn die Person darum bittet. Entscheidend ist der persönliche Asthma-Notfallplan, denn Präparat, Dosierung und Wiederholungsabstände können unterschiedlich sein.
Eine Vorschaltkammer, auch Spacer genannt, kann bei einem Dosieraerosol die Inhalation erleichtern. Geben Sie aber keine fremden Medikamente und legen Sie keine Dosierung eigenmächtig fest. Wenn kein Notfallplan vorhanden ist, sich die Person unsicher ist oder das Spray nicht ausreichend hilft, sollte medizinische Hilfe frühzeitig eingeschaltet werden.
Wann Sie sofort 112 rufen müssen
Bei schwerer oder zunehmender Atemnot warten Sie nicht ab. In Deutschland ist der Notruf 112 richtig, wenn Lebensgefahr möglich ist oder die Situation nicht sicher eingeschätzt werden kann. Die Leitlinie für Patientinnen und Patienten empfiehlt ausdrücklich, bei Zweifeln den Rettungsdienst zu alarmieren.
| Anzeichen | Was jetzt wichtig ist |
|---|---|
| Sprechen ist nur noch in einzelnen Worten möglich | Sofort 112 rufen und die Person aufrecht sitzen lassen |
| Bläuliche Lippen oder Fingernägel | Akuter Notfall, unverzüglich Rettungsdienst alarmieren |
| Verwirrtheit, starke Erschöpfung oder Benommenheit | 112 wählen und die Atmung fortlaufend beobachten |
| Kaum oder keine Atemgeräusche trotz starker Atemnot | Nicht von einer Besserung ausgehen, sondern sofort 112 rufen |
| Das Notfallspray ist nicht verfügbar oder wirkt nicht | Notruf absetzen, besonders bei anhaltender oder zunehmender Atemnot |
Auch eine ungewöhnlich schnelle Atmung, ein stark beschleunigter Puls oder ein Peak-Flow-Wert unter 50 Prozent des persönlichen Bestwerts sprechen für einen schweren Anfall. Ein Peak-Flow-Meter misst, wie schnell Luft ausgeatmet werden kann. Die Zahl ist nur sinnvoll, wenn die betroffene Person ihren persönlichen Bestwert kennt und die Messung beherrscht.
Am Telefon sagen Sie klar, dass es sich um akute Atemnot beziehungsweise einen schweren Asthmaanfall handelt. Nennen Sie den genauen Standort, besonders beim Wandern, auf einem Klettersteig oder an einem abgelegenen See. Bleiben Sie am Telefon und folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle.
So helfen Begleitpersonen richtig
Sprechen Sie langsam und in kurzen Sätzen. Fragen wie „Kannst du noch normal sprechen?“ oder „Wo ist dein Inhalator?“ liefern wichtige Informationen, ohne die Person mit langen Erklärungen zu überfordern. Meine Erfahrung mit Notfallsituationen ist, dass eine ruhige Begleitperson oft mehr bewirkt als fünf Menschen, die gleichzeitig Ratschläge geben.
- Eine Person übernimmt die Kommunikation mit dem Betroffenen.
- Eine zweite Person holt das Notfallmedikament oder setzt den Notruf ab.
- Jemand weist den Rettungsdienst zum Standort ein.
- Die betroffene Person bleibt möglichst aufrecht und wird nicht allein gelassen.
Fragen Sie nach dem persönlichen Notfallplan und helfen Sie, die darin vorgesehenen Schritte umzusetzen. Drängen Sie nicht auf Wasser, Essen oder einen Spaziergang. Ebenso ungeeignet sind Beruhigungsmittel, ätherische Öle und vermeintliche Hausmittel, weil sie die Atemwege nicht zuverlässig erweitern und die Lage verschleiern können.
Wenn die Person bewusstlos wird, prüfen Sie die Atmung. Bei normaler Atmung bringen Sie sie in die stabile Seitenlage und kontrollieren sie weiter. Bei fehlender oder nicht normaler Atmung beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung und folgen den Anweisungen der Leitstelle.
Besondere Risiken im Freien und bei Kindern
Asthma beim Sport und auf Touren
Bei Beschwerden während einer Tour gilt nicht „noch schnell bis zum Gipfel“. Die Belastung wird beendet, die Person setzt sich an einen sicheren Ort und bekommt Zugang zu ihrem Notfallmedikament. Bei kalter Luft hilft es, Mund und Nase teilweise mit einem Tuch zu bedecken, sofern das die Atmung nicht erschwert. Rauch, Staub und starke Duftstoffe sollten sofort gemieden werden.
In abgelegenen Gebieten sollten Sie den Notruf früh auslösen, weil der Rettungsweg länger dauern kann. Übermitteln Sie Koordinaten, Wegmarkierungen, Hüttenname oder den Namen des Wanderwegs. Eine Smartphone-Ortung ist hilfreich, ersetzt aber nicht die genaue Beschreibung des Standorts.
Asthma bei Kindern
Kinder wirken während eines Anfalls oft besonders ängstlich oder unruhig. Bleiben Sie auf Augenhöhe, sprechen Sie ruhig und lassen Sie das Kind nicht allein inhalieren, wenn es dabei Unterstützung braucht. Bei Kindern zählt vor allem der mit der Arztpraxis vereinbarte Notfallplan, nicht eine allgemeine Dosierung aus dem Internet.
Wenn ein Kind nicht mehr normal sprechen, trinken oder laufen kann, sehr schnell atmet oder bläuliche Lippen bekommt, rufen Sie sofort 112. Bei kleinen Kindern kann sich der Zustand rascher verändern, deshalb sollte die Schwelle für den Notruf eher niedrig liegen.
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Asthma oder allergischer Schock
Beginnt die Atemnot plötzlich nach einem Insektenstich, einem Lebensmittel oder einem Medikament und kommen Hautausschlag, Schwellungen, Heiserkeit, Schwindel oder Kreislaufprobleme hinzu, kann eine Anaphylaxie vorliegen. Falls ein verordnetes Adrenalin-Autoinjektor vorhanden ist, wird er nach dem persönlichen Notfallplan angewendet. Gleichzeitig muss sofort 112 gerufen werden.
Was nach dem Anfall wichtig ist
Auch wenn sich die Atmung wieder normalisiert, ist ein überstandener Anfall nicht automatisch erledigt. Beschwerden können zurückkehren. Die Person sollte sich zunächst ausruhen und nicht direkt wieder Sport treiben, fahren oder allein weiterwandern.
Nach einem stärkeren Anfall sollten die Beschwerden, mögliche Auslöser, die verwendeten Medikamente und die Dauer notiert werden. Diese Informationen helfen der behandelnden Praxis, den Asthma-Aktionsplan anzupassen. Nach einem lebensbedrohlichen Ereignis ist eine zeitnahe pneumologische Nachsorge besonders sinnvoll.
Bei einem leichten Anfall kann nach ärztlicher Rücksprache der hausärztliche Dienst oder außerhalb der Sprechzeiten die 116 117 weiterhelfen. Bei anhaltender Atemnot, fehlender Wirkung des Notfallsprays oder jeder Unsicherheit über die Gefährlichkeit bleibt jedoch 112 die richtige Nummer.
Ein kleiner Notfallplan für jede Outdoor-Ausrüstung
Ich würde Asthma bei einer Tour genauso selbstverständlich einplanen wie Regenkleidung oder eine Stirnlampe. Das Notfallmedikament gehört griffbereit an den Körper, nicht ganz unten in den Rucksack. Sinnvoll sind außerdem ein schriftlicher Notfallplan, ein Spacer falls verordnet, ein geladenes Mobiltelefon und die Kenntnis des genauen Tourenstandorts.
- Notfallspray und persönliche Medikamente vor dem Start prüfen
- Verfallsdatum und Füllstand kontrollieren
- Begleitpersonen kurz über Symptome und Notfallplan informieren
- Bei abgelegenen Touren Standortfreigabe oder Offline-Karten vorbereiten
- Nach einem Anfall die Ursache ärztlich besprechen und den Plan aktualisieren
Die wichtigste Regel bleibt einfach: aufrecht sitzen, ruhig ausatmen, den eigenen Notfallplan befolgen und bei schwerer oder unklarer Atemnot früh 112 wählen. Gute Vorbereitung nimmt dem Anfall nicht jede Gefahr, sorgt aber dafür, dass die ersten entscheidenden Minuten nicht durch Panik und Improvisation verloren gehen.